Film Neu im Kino

Hochspannendes Feel-bad-Kino: "Night Moves"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Josh, Dena und Harmon haben einen Plan: Die Taktik der kleinen Schritte reicht den Umweltaktivisten aus Oregon nicht mehr, ein Zeichen muss gesetzt werden, um die achtlos Konsumierenden wachzurütteln, die den Planeten zugrunde richten ...

Die Bilder von Kelly Reichardts Thriller "Night Moves" gleichen ruhigen, tiefen Atemzügen, während 112 Minuten lang höchste Spannung herrscht. Die Weite der Natur, Herbstfarben und Dunkelheit prägen den Film, viele Sequenzen ereignen sich in Echtzeit. Atmosphärisch intensive, aber emotionslose, ja kaltblütige Beobachtung ist Reichardts Methode. In kargen Gesprächen geben ihre Protagonisten nur wenig über ihr Leben abseits der filmischen Gegenwart preis. Dakota Fannings und Peter Sarsgaards Figuren sind im Vergleich zu Jesse Eisenbergs Hauptrolle noch wahre Plaudertaschen: Kein Lächeln hebt Joshs Mundwinkel, kein Wort erklärt, wieso sein Leben durchgehend freudlos zu sein scheint.

Dass eine solche Reduzierung funktioniert, ohne zu stark zu irritieren, ist Reichardts Regie zu verdanken. Sie weicht dem Trio nicht von der Seite: Wie die Flüchtenden erleben auch die Zuseher das Erreichen des Ziels nur aus der Ferne. Ein Grollen, eine Erschütterung, bald darauf Medienberichte.

Dem kleinen bisschen Freude folgt sofort die Angst, überführt zu werden. Mit Joshs "Get back to normal" geht es gänzlich bergab, als die drei erkennen, dass sie eine schreckliche Schuld auf sich geladen haben. Unerbittlich zieht sich eine Schlinge zu, und auch wenn zum Ende hin nicht alles glaubwürdig ist, setzen die letzten Szenen einen starken Schlusspunkt. Reichardt hat keine Angst davor, ihr Publikum in diesem exzellent gefilmten Feel-bad-Movie mit Trostlosigkeit und Abscheu zu konfrontieren.

Weiterhin im Stadtkino im Künstlerhaus (OmU)


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