Enthusiasmuskolumne Diesmal: das beste Platzkonzert der Welt der Woche

Der Vienna Vista Drinking Club im Pinzgau

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Es gibt nicht viel, was die Stadtmaus der Landmaus neiden müsste: Auf Hagelschlag und Hochwasser kann man gerne verzichten, und Sex mit Paarhufern und Blutsverwandten ist in Wirklichkeit weniger aufregend als sein Ruf. Der Kirchgang und das Platzkonzert hingegen schaffen eine solide sozial-rituelle Einbettung für das vormittägliche Verräumen von Weinchen und Bierchen, wo dem Städter oft nur der Branntweiner oder andere neigungsspezifische Versammlungsorte von geringem Sozialprestige und fragwürdigem Feng-Shui bleiben. Zum fruchtbaren interkulturellen Austausch zwischen Stadtund Feldmäusen kam es am vergangenen Wochenende im Pinzgau, wo neben dem zahlungspflichtigen Getröte für jazzophile Eingeweihte seit Jahren auch frei zugängliche Konzertdarbietungen am Hauptplatz von Saalfelden stattfinden.

Am Samstag gastierte dort das Klangkombinat Kalksburg, das normalerweise im städtischen Raum mit Heurigenanbindung agiert, und man muss schon sagen, dass dieses Nonett den Bogen raus hat -zumal dieser von Burt Bacharach über Heller &Qualtinger bis Udo Jürgens reicht. Viola Falb und Clemens Hofer betörten im Duett mit "Liebe ohne Leiden", und Frontmann Vincenz Wizlsperger strafte alle jene Lügen, die den Kalksburgern alkoholverharmlosende, wo nicht -verherrlichende Tendenzen vorwerfen: In einer eingewienerten Version des Buena-Vista-Hits "Chan Chan" klärte er darüber auf, dass übermäßig genossener Alkohol sexuell zwar stimuliert, aber auch die erektile Performanz unterläuft: "Seit Jahren woa um'd Gabi scho a Griss /Jetzt geht's ham so geil, wia's kumman is."

Können wir in Wien das bitte auch haben? Wöchentlich. Auf Plätzen in wechselnden Bezirken. Wir zahlen auch gerne Eintritt!


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