LERNEN IM LUSTIGEN LABYRINTH

Goodbye, Normklassenzimmer: Der Bildungscampus im Sonnwendviertel gilt als Revolution des Wiener Schulbaus. Jetzt ist er fertig

Stadtleben | ERSTER SCHULTAG: MAIK NOVOTNY | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Beginnen wir mit einem kleinen Selbstexperiment: Erinnern Sie sich an die Schulgebäude, nein, besser noch, an die besten Spielplätze Ihrer Kindheit. Was machte sie so ideal zum Spielen? Hand aufs Herz: Sicher nicht die Tatsache, dass sie rot, gelb und blau angemalt waren. Viel wichtiger: die räumliche Vieldeutigkeit. Das Klettergerüst war ein Indianerfort, aber auch ein Raumschiff, zehn Minuten später vielleicht der Palast von Marie Antoinette, gleichzeitig auch das Leo, die Stelle, wo man beim Fangenspielen sicher war. Welche Farbe das Klettergerüst hatte, war komplett wurscht. Neugier und Lernen brauchen nicht Farbe, sondern Raum.

Aber so wie man die Episoden der Kindheit gerne vergisst, werden auch ihre Qualitäten oft ignoriert, was unseren Spielplätzen die Möblierung mit buntem, aber sinnlosem Wippgeflügel beschert hat, das nichts anderes kann als wippen. In den Schulen kam jahrzehntelang weder Farbe noch räumliche Spannung auf, dank seit dem 19. Jahrhundert gesetzlich festgelegter


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