Design Kritik

Die vollendete Schönheit eines Jaguar Typ E

Lexikon | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Vor 150 Jahren wurde in Wien das k. k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie eröffnet. Künstler, Handwerkerinnen und Fabrikanten sollten sich hier über Innovationen im Kunstgewerbe informieren können. Da sich das Entwerfen von Möbeln, Geschirr und Stoffen um 1870 stark über historische Vorlagen definierte, sammelte das Museum auch viel Historisches.

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums stellt sich das Museum für angewandte Kunst /Gegenwartskunst (Mak), wie das Haus am Stubenring heute heißt, die Frage, wie sich eine Mustersammlung für Kunstgewerbe an die Gegenwart andocken lässt. Die Ausstellung "Vorbilder. 150 Jahre Mak" würdigt zum einen die Protagonisten der Geschichte des Museums, etwa den Kunsthistoriker Rudolf Eitelberger (1817-1885) und Mäzen Franz Sobek (1903-1975), der dem Museum das heute als Außenstelle genutzte Geymüllerschlössel vermachte. Zum anderen luden die Kuratorin Tulga Beyerle und der Kurator Thomas Geisler wichtige Gestalter und Gestalterinnen der Gegenwart ein, inspirierende Objekte aus der Mak-Sammlung auszuwählen. Stefan Sagmeister fand etwa in dem Autoklassiker Jaguar E-Type (1961) ein vollendetes Objekt, das Designduo Fiona Raby und Tony Dunne beschränkt sich auf Romanzitate, ein Beispiel für ein assoziatives Entwerfen. Der Münchner Designer Konstantin Grcic erweist dem als zu kommerziell verrufenen Philippe Starck seine Reverenz, der bei der Produktion des TV-Geräts "Jim Nature" (1994) auf Plastik verzichtete und so einen Prototypen für kritisches Design schuf.

Ergänzt wird die Schau durch Videointerviews. Die geladenen Künstler sprechen mit Gästen über die gesellschaftskritischen Aufgaben von Design und die Aktualität von Museen angewandter Kunst. Eine Schau von entspannter Aktualität. MD Galerie Konzett, bis 20.9.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige