Der Leopard

Vittorio Turco mag kleine Lokale. Jetzt hat er wieder eines, ein sehr kleines

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOL ZE R | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Wenn nicht offen ist, ist das O Sicilia kaum zu bemerken. Ein winziges, unglaublich niedriges Gewölbe, unauffällig, kaum ein Schild weist auf den neuen Italiener in der Sonnenfelsgasse hin. Wenn das Lokal offen hat, ist es aber trotz Unauffälligkeit voll. Und erinnert an ähnliche, ebenso unauffällige Osterien in Palermo, die dort in irgendwelchen niedrigen Gewölben untergebracht sind (wo man allerdings nicht von Nachbarn fotografiert wird, wenn man um halb neun ein Glas Prosecco vorm Lokal trinkt …).

Vittorio Turco kommt aus Palermo, in Wien wurde er mit seinem Minilokal Pronto bekannt, danach kochte er eine Zeit lang in der Kumpfgasse in seinem Da Vitti, im Cucinoto wurde er für seine Seeigel-Pasta sehr gelobt. Vittorio Turco ist in der Szene durchaus ein Begriff, die Schar seiner Stammkunden und Fans ist groß. Keine schlechte Voraussetzung, um wieder ein eigenes, kleines Lokal aufzumachen.

Irgendwann sei hier ein Animierlokal drin gewesen, weiß Turco, und danach hätte hier ein Türke namens Turka Imbisse zubereitet. Turco lacht. Er kennt das Wiener Publikum jetzt seit vielen Jahren, weiß, was er ihm zutrauen kann und was er selber essen muss, weil es niemand zu bestellen wagt. Dazu gehören leider auch so ziemlich alle sizilianischen Spezialitäten, weshalb er sie gar nicht erst auf die Karte schreibt und man da daher nur von Dingen liest, die garantiert jeder kennt und mag.

Das sollte einen aber nicht abschrecken. Erstens, weil Vittorio Turco in seiner winzigen offenen Küche auch die Klassiker so gut zuzubereiten vermag, dass einem dabei nicht fad wird, und zweitens, weil er immer auch noch ein paar Sachen im Repertoire hat, die nicht auf der Karte stehen. Also den Koch einfach machen zu lassen. Und dann kommt da zum Beispiel Vitello Tonnato, das sich in seiner dezenten Cremigkeit so wunderbar von dem Fleisch-Fisch-Gatsch der Weihnachtsfeier-Buffets unterscheidet, oder Carpaccio vom Pulpo, das aber nicht wie sonst immer von einer gepressten (fertig zu kaufenden) Pulpo-Wurst, sondern vom selbst gekochten Weichtier geschnitten wird. Mit Olivenöl aus Caltanisetta, so schlicht wie köstlich.

Oder Caponata, der sizilianische Melanzani-Paradeiser-Zwiebel-Eintopf, großartig, darf man sogar mit Brot essen, will man auch (€ 10,50). Die Paccheri – riesige Pastaröhren – kommen mit schlichtem Pomodoro-Sugo – und gut ist’s (€ 8,80)! Und da gerade Montag war und der Fisch erst am Dienstag geliefert wird, gab’s halt eine Mischung aus gebratenen Seppie und Garnelen, auch wahnsinnig gut (€ 22,50).

Und wenn Turco gerade Fegato hat, dann schmeckt die Leber eh fast ein bisschen wie die Milza in Palermo, rosiger halt, zarter und weniger fett (€ 17,–). Sonderwünsche wie die Seeigel-Pasta muss man halt vorbestellen. Lohnt aber.

Resümee:

Ein neuer, kleiner Italiener, der auf den ersten Blick so gar nicht besonders wirkt, auf den ersten Bissen dann allerdings schon.

O Sicilia

1., Sonnenfelsg. 5, Mo–Sa 11–15, 18–22 Uhr, www.facebook.com/pages/O-Sicilia


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