Film Neu im Kino

Edelwort gegen Übeltat: Schlöndorffs "Diplomatie"

Lexikon | DR. ROBNIK | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Jai deux amours, mon pays et Paris". Josephine Bakers Lied von zwei Lieben (mein Land und Paris) untermalt am Ende von Volker Schlöndorffs Kammerspiel "Diplomatie" Seine-Brücken-Panoramen. In Alain Resnais' "On connait la chanson" (1997) war es der Auftakt all der Dialoge, die als Playbackgesang alter Chansons erfolgten: General von Choltitz, im August 1944 Kommandeur der deutschen Besatzer, im Ohr Hitlers Order, Paris zu verwüsten, singt mit Bakers Stimme seine zerrissene Liebe heraus.

Auch "Diplomatie" bietet große Worte aus Choltitz' Mund. Fast in Echtzeit (nach einem Bühnenstück) bieten Kraftakte kommunikativen Handelns den Zerstörungsplänen am letzten Morgen der Nazibesatzung Einhalt. Im Hotelsuitengespräch von General und schwedischem Konsul siegt die Liebe zu Paris als Idealort des universell Menschlichen über die Liebe zum Land, sprich: Nationalismus. Auch dieses Lied kennt man: viel Bildungszitat, manches auf Antizipation der EU zielend, alles gar gediegen - wie das Ethos der Abwägung, wie das Spiel der schmusenden Altmimen Niels Arestrup und André Dussollier, wie die Weine, Tees und Kekse, die ihnen zum Mund reingehen, während die Sonne aufgeht und die Wehrmacht abhaut.

Bereits in den Kinos (OmU im De France)


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