Das Spiegelkabinett des Doktor Köhlmeier

In "Zwei Herren am Strand" kämpfen Charlie Chaplin und Winston Churchill gegen die eigene Depression und Adolf Hitler

Feuilleton | DIAGNOSE: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 36/14 vom 03.09.2014

Der Teufel steckt im Detail, der liebe Gott erst recht. Romanciers und andere Lügner sollten das stets berücksichtigen. Wer anderen einen Bären aufbinden will, erzählt also besser nicht, dass die Straßenbahn Verspätung hatte, sondern dass sie in eine Vintage-Vespa gefahren und deren im Übrigen rothaarige Lenkerin wie durch ein Wunder unverletzt geblieben sei, obwohl sie nicht einmal einen Helm aufgehabt habe.

Ein Profi wie Michael Köhlmeier weiß natürlich um diesen Kniff, und wenn er in seinem jüngsten Roman gleich auf der ersten Seite zwei der berühmtesten Männer des 20. Jahrhunderts aufeinandertreffen lässt, dann droht der Butler dem vermeintlichen Irren, der behauptet, Charlie Chaplin zu sein, nicht mit Rauswurf oder Polizei, sondern "mit einer Brown Bess Muskete", und Churchill sagt nicht etwa "Komm rein, Charlie!", sondern "Glad tidings you bring!"

Schon in "Abendland"(2007) hat Köhlmeier fiktive Charaktere mit historischen Persönlichkeiten zusammengebracht, in "Zwei


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