Buch der Stunde

Es gibt zwei Arten: das große und das kleine Warten

Feuilleton | ANDREAS KREMLA | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Bereits für etwas da zu sein, das noch nicht da ist, empfinden die meisten als eintönig. Eine Journalistin aber erkennt im Warten ein abwechslungsreiches Thema. Durchschnittlich 219 Tage stehen wir im Laufe unseres Lebens im Stau. Von den fast zwei Jahren, die wir telefonieren, verbringen wir 140 Tage in der Warteschleife. Zahlen und Fakten sind ein Strang in Friederike Gräffs Buch über das Warten. Einen weiteren bildet die Erforschung mehr oder weniger geduldiger Menschen.

Der berühmte Marshmallow-Test des gebürtigen Wieners Walter Mischel zeigt, dass aus Kindern, die Belohnungen aufschieben können, erfolgreichere Erwachsene werden. Ein amerikanischer Soziologe hat die Hierarchien in den Warteschlangen des ehemaligen Ostblocks untersucht. Vor allem aber geht es hier um die Geschichten der Wartenden, die Gräff selbst zu Wort kommen lässt, indem sie ihre Interviews essayartig zusammenfasst.

"Vielleicht gibt es ein kleines und ein großes Warten", resümiert ein Häftling. "Beim kleinen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige