Kunst Kritik

Wiederentdeckt: konkrete Poesie im Arrangement

Lexikon | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Im Grazer Kunstverein gab es im Vorjahr die Chance, mit Josef Bauer einen heute wenig bekannten Künstler wiederzuentdecken, der schon früh Ideen hatte, mit denen andere später berühmt wurden. In der aktuellen Personale "selected works" der Galerie unttld contemporary hängt etwa die Fotografie "Taktile Poesie, Nackenstütze", die einen Mann mit einer wurstförmigen Plastik auf den Schultern zeigt. Bauer schuf solche amorphen Skulpturen zum Hantieren bereits Ende der 1960er-Jahre, während Franz West mit seinen legendären "Passstücken" erst 1974 begonnen hat.

Sprachliche Strukturen spielen eine zentrale Rolle in Bauers Schaffen, und etliche seiner Arbeiten, bei denen er Objekte und Wortbilder verbindet, lassen an ähnliche Werke des amerikanischen Konzeptkünstlers Joseph Kosuth denken. Auch wer die Buchstaben auf Stangen in der diesjährigen Secessionsausstellung von Heinrich Dunst gesehen hat, muss sich fragen, ob er die Anregung dazu nicht von Bauers bereits 1968 entstandenen "Buch-STABEN" hat. Wie hier sprachlicher und bildlicher Repräsentation nachgegangen wird, lässt freilich auch an die Arbeiten des 24 Jahre jüngeren Heimo Zobernig denken.

Die Aktualität und der feine Humor des 1934 geborenen Oberösterreichers offenbaren sich in der jetzigen Ausstellung aber am stärksten in der vielteiligen Installation "Der Raum der Büglerin", die noch von der gleichnamigen Diaschau begleitet wird. Die 1972 begonnene Arbeit umfasst Objekte wie ein rostrot bemaltes Bügelbrett, einen auf eine Leinwand aufgezogenen Tanga oder eine in L-Form gefaltete Socke.

In den Dias integriert Bauer noch stärker Wortbilder und arrangiert Alltagsgegenstände so, dass man sie ob ihrer Bedeutungsvielfalt, Kombinatorik und Atmosphäre am liebsten endlos betrachten möchte. NS unttld contemporary, bis 31.10.


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