STEIERMARK

Wölfe ohne Schafspelz

Acht Jahre nach Gründung gibt es nun das erste Album des Instrumental-Rock-Duos Waikiki Star Destroyer

Lexikon | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Das Grazer Duo Waikiki Star Destroyer brettert ordentlich dahin, hat es faustdick hinter den Ohren. Das Schlagzeug punktgenau, die E-Gitarre komprimiert. Aber halt, da ist keine Stromgitarre im Spiel. Was hier durch Verstärker und Effektgeräte gejagt wird, sind Ukulele und auch Ziehharmonika. Und trotzdem kommt das Duo mit einem Zug daher, als wäre Post-Rock gerade erst gestern erfunden worden. Bisher ausschließlich als Live-Band unterwegs, kann man sich Waikiki Star Destroyer nun erstmals auch zu Hause anhören.

Patrick Wurzwallner (Schlagzeug) und Stefan Ernst (Ukulele, Ziehharmonika) haben sich 2006 zusammengetan. Es hat also acht Jahre gedauert, bis nun das erste, nach der Band benannte Album bei Pumpkin Records erscheint. Spezielle Gründe, so Wurzwallner, hat das keine. Außer vielleicht, dass die Aufnahme im Studio des steirischen Produzenten Bernd Heinrauch ja auch erst einmal finanziert werden musste. Heinrauch hat in der Vergangenheit bei nicht wenigen lässigen steirischen Bands Hand angelegt, etwa bei Hella Comet, The Striggles oder Reflector. Übrigens Combos, die zum näheren Umfeld von Waikiki Star Destroyer gehören. Wurzwallner, als Schlagzeuger Autodidakt, kennt man zudem vom - noch die Spur abgedrehteren -Grazer Duo Heifetz. Stefan Ernst hingegen hat seine Wurzeln in der Klassik und im Jazz. Dieses Wurzeln in popfernen Gebieten wird vielleicht nicht gerade beim ersten Hinhören deutlich. Nur die Genauigkeit, das überlegte Spiel mit Struktur, die disziplinierte Darbietung von Nummern, die meist nicht viel länger als zwei Minuten dauern -das zeugt schon von einer Reflektiertheit und nicht zuletzt vom unbedingten Willen, im Urgestein harter Rockmusik noch einmal nach kostbaren Erzen zu schürfen.

Das auch noch mit der Ukulele - man kennt das meist viersaitige Instrument als kleines Zusatzfeature, das sich Gitarristen dann gerne aneignen, wenn sie ihren Songs eine liebliche, mitunter eine kauzige Note angedeihen lassen wollen. Bei Waikiki Star Destroyer allerdings wird das doch recht kleine Zupfinstrument zu einem Reißwolf, der sich des Schafspelzes entledigt hat. Ein ironischer Bruch, der gerade bei den beherzten Live-Konzerten der Band recht deutlich spürbar wird -die unschuldig anzusehende, aber brüllende Ukulele, das von allen Angeber-Tomtoms befreite Schlagzeug -minimale Mittel, maximaler Nachdruck. Das Duo ist gemeinsam mit den US-Amerikanern Hammerhead zu sehen, die hatten ihre große Zeit Anfang der 1990er-Jahre beim legendären Label Amphetamine Reptile Records.

Postgarage, Graz, Do 21.00


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