"Der NS-Volksstaat kennt keine persönliche Lebenssphäre"

Ein wichtiges neues Buch zeigt, wie Nazijuristen mithilfe des Rechtssystems Volksherrschaft und Führerstaat rechtfertigten

Politik | REZENSION: ARMIN THURNHER | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Dieses Buch ist verstörend. Es zeigt, wie das Recht verbogen und dabei formales Recht bleiben kann. Es zeigt, wie eine autoritäre Gewaltherrschaft imstande ist, die Justiz nach ihren Absichten zuzurichten. Das macht dieses Buch besonders aktuell, denn an Gewaltherrschaften fehlt es derzeit auf dieser Erde nicht.

In "Rechtfertigungen des Unrechts" versammeln Herlinde Pauer-Studer und Julian Fink Texte prominenter Nazijuristen, die hier erstmals wiederveröffentlicht werden. Pauer-Studer ist Professorin für Philosophie in Wien, Fink ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bayreuth. Jahrelang haben sie in zeitgenössischen Publikationen recherchiert, um diese Sammlung von Dokumenten zu vervollständigen, die zeigen, wie Hitler versuchte, seine Machtübernahme juristisch legitimieren zu lassen.

Gewiss war die Naziherrschaft ein Sonderfall von Gewaltherrschaft, von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende und ihrer untergründigen fortdauernden Wirkung. Diese wird ebenso gern bestritten wie


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