Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Noch ist es nicht so weit!

Steiermark | Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

In einer Episode der Simpsons sieht man die Persiflage auf einen Schullehrfilm, wie er wohl damals gezeigt wurde, als der Mensch sich gerade anschickte, den Weltraum zu erobern. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass auf dem Mond alles nur ein Sechstel von seinem Gewicht beträgt. Dann wird ein übergewichtiger Bursche beim Mampfen gezeigt, die Stimme sagt: "Aber noch ist es nicht so weit, Speckmann!"

Auf dem Mond waren wir mittlerweile, beim Kampf gegen Adipositas sind wir noch nicht abgehoben. Möglicherweise haben nun Forscher der TU Graz ein Wundermittel entdeckt, das eine nachhaltige Gewichtsreduktion möglich macht, ohne dass man sich dabei zum Erdtrabanten aufmachen muss. Es ist ihnen gelungen, menschliche Fettzellen von Energiespeicherung auf Energieverbrennung umzupolen. Eine auf Nanopartikeln basierende Lösung ist bereits zum Patent angemeldet. Dürfen wir bald so viel in uns reinschaufeln, wie wir wollen?

Das ist furchterregend. Ist nicht gerade Eitelkeit eine starke Triebfeder für einen bewussteren Umgang mit unserer Nahrung? Regional, bio, vegan und nicht zuletzt der ökologische Fußabdruck -natürlich meinen es viele gut mit der Umwelt und ertragen Tierleid nicht. Nur seinem Wesen nach ist der Mensch genusssüchtig und gefräßig. Was Nahrung bewirkt, muss unbedingt am eigenen Körper erfahren werden. Wenn das Mittel hält, was es verspricht, wird man fettleibige Patienten heilen können. Alle anderen dürfen zwei Todsünden frönen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen -zumindest im Diesseits. Nur wer sich jetzt schon freut, dem sei gesagt: "Noch ist es nicht so weit, Speckmann!"


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