Mediaforschung Verführungskolumne

Hat der Finanzminister die Werbefamilie Putz erfunden?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Als der Name des neuen Finanzministers feststand - Hans Jörg Schelling -, machte sofort ein böses Gerücht die Runde: Schelling, ehemaliger Chef der Möbelfirma XXXLutz, soll der Erfinder der Werbefamilie Putz sein. Die Familie Putz, das ist: seichter Witz mit Sitcom-Gelächter. Musicals mit Möbelfirmen-Refrains. Spots à la Harlem Shake.

Vor 15 Jahren tauchten Oma, Mama, Papa und Sohn Putz das erste Mal im TV auf. Das Werbekonzept dahinter: die Firma personalisieren. Die Story dazu: Der Familie Putz gefallen die XXXLutz-Möbel so gut, dass sie in eine Filiale einzieht. Die drei Generationen sollten alle Österreicher ansprechen. Heute hat die Facebook-Gruppe "Ich hasse die Familie Putz" rund 600 Fans. "Die Familie hat von Anfang an polarisiert", erklärt Mariusz Jan Demner von der verantwortlichen Agentur DMB. Heute gebe es aber mehr Sympathie für die Familie, meint Demner, er spricht von "Kultstatus" und "Werbe-Ikonen". Rund 180 Folgen wurden bislang abgedreht, die erste Oma wurde mittlerweile ausgetauscht, der gealterte Sohn bekam eine Freundin. Tatsächlich kennt heute fast jeder Österreicher die Werbefamilie. Dass XXX-Lutz zum Branchenprimus gewachsen ist, ist wohl auch ihr Verdienst. Aber zu welchem Preis!

Und wie ist das nun mit Schelling? Hat er oder hat er nicht? Demner sagt: "Er war an der Entwicklung dieser Kampagne gemeinsam mit dem Agentur-Team inspirativ und sehr fördernd beteiligt."

Das könnte sich politisch rächen.


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