Tiere

Brechreiz

Falter & Meinung | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

In Ungarn versuchten Wissenschaftler vom Budapester Institut für experimentelle Medizin, aggressive Ratten friedfertiger zu machen. Man ließ junge Tiere isoliert von ihren Artgenossen aufwachsen und beobachtete ihr Verhalten, nachdem sie wieder in einen Käfig mit anderen Ratten gebracht worden waren. Diese zeigten sich verängstigt, sonderten sich ab und reagierten bei Kontakten meist aggressiv. Die Forscher sahen Parallelen zu Menschen mit schwerer Kindheit.

Mit der Zeit näherten sich die Einzelhaftratten den anderen in der Gruppe wieder an, doch sie verhielten sich weiterhin deutlich streitsüchtiger als die normal sozialisierten Artgenossen. Offenbar war aufgrund der frühen Erfahrungen Aggression Teil des Charakters dieser Tiere geworden. Die Studie schloss mit dem Befund, dass man – so wie bei Menschen – soziale Phobien therapieren kann, angriffslustiges Verhaltens hingegen weiterhin bestehen bleibt.

Während Ungarn, das einige Erfahrung mit autoritären Regimes hat, noch forscht, hat jemand aus dem Wilden Westen bereits die Antwort, wie man Lebewesen richtig erzieht: Der „Hundeflüsterer“ tritt an diesem Wochenende in der Wiener Stadthalle auf. Zu Anfang des Jahres gab es noch mediale Kritik an Cesar Millan, den US-amerikanischen Hundetrainer, der Tiere auch durch Gewaltausübung wie Schläge, Tritte, Würgen oder Elektroschocker gefügig macht. Aber zu einem öffentlichen Protest, wie in anderen Städten, wo Millan auftrat, kam es in Österreich nicht.

Sein Leitspruch lautet: „Ich resozialisiere Hunde und trainiere Menschen.“ Verfolgt man seine TV-Show, dann hat man vielmehr den Eindruck, dass er über sein selbstgestricktes Gehorsamkeitstraining vielmehr die Menschen nach seinem autoritärem Weltbild erziehen will. Man muss das „Rudel anführen“ und als „Alphatier“ auftreten. Unterwerfung ist sein Leitmotiv und mit brachialen Methoden – die dann im Fernsehen nicht gezeigt werden – zwingt er die Tiere in eine erlernte, ausweglose Hilflosigkeit. Das daraus resultierende Verhalten wird dann als „sozialisiert“ bezeichnet. Das erinnert sehr an Methoden militärischer Boot-Camps, in denen Menschen „neu aufgebaut“ werden. Unterwerfung als politisches Programm wird weltweit wieder gern getrommelt, daher zur Erinnerung Mahatma Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt“.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige