Kindermädchen und furchtlose Fotografin

Vivian Maier hatte zu Lebzeiten kein einziges Foto veröffentlicht. Heute gilt sie als Pionierin der Street-Photography

Feuilleton | TEXT: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Die meisten Leute hielten sie für eine Französin. Doch der Akzent, den sie kultivierte, war genauso falsch wie der Name, den sie dann und wann angab. In Wahrheit hieß V. Smith nämlich Vivian Maier, stammte aus New York und arbeitete jahrzehntelang als Kindermädchen für gutsituierte Familien aus den Vororten von Chicago.

Dass sie wie eine Besessene fotografierte, dürfte ihren Zeitgenossen indes schwerlich entgangen sein. Maier hatte ständig eine Rolleiflex dabei. Ihr bevorzugtes Jagdrevier waren die schlimmsten Gegenden der Stadt, wobei sie die ihr anvertrauten Kinder oft auf ihre Fotostreifzüge in die Einwandererbezirke, durch die Industrieviertel oder auf den Schlachthof mitnahm.

Sie fragte nicht lang um Erlaubnis, ging auf die Leute auf der Straße mit der Kamera zu und schoss einfach drauf los. "I'm surprised she didn't get shot", erzählt eine ihrer ehemaligen Schutzbefohlenen.

Wirklich einzigartig an ihrer Geschichte jedoch ist, dass Vivian Maier (1926-2009) zeitlebens kein einziges


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