Der Mann, der alle happy macht

Mit Pharrell Williams kommt einer der größten Popstars der Gegenwart erstmals nach Wien

Lexikon | PORTRÄT: NICOLE SCHÖNDORFER | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014


Foto: AMPAS/Columbia Records

Foto: AMPAS/Columbia Records

Daft Punk, Gwen Stefani, Shakira, Kanye West, Britney Spears, Madonna – und viele mehr. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler, mit denen Pharrell Williams schon im Studio war, hätte eigentlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag verdient. Eine grobe Einteilung in seine drei Schaffensperioden könnte dabei nicht schaden. Da wäre das Produzentenduo The Neptunes mit seinem Kumpel Chad Hugo, die Rap-Rock-Band N.E.R.D. und schließlich Pharrell Williams als Solokünstler.

Vielleicht würde dem 41-Jährigen die Idee sogar gefallen. Eine eigene Enzyklopädie hat er nämlich noch nicht. Ein Plattenlabel, eine Modelinie, diverse Grammy-Auszeichnungen und ein großes Multimedia-Unternehmen dafür schon. 41 Jahre? Tatsächlich. Pharrell Williams wurde 1973 in Virginia Beach geboren.

Alles begann ganz amerikanisch mit einem Ferienlager, bei dem er seinen späteren Weggefährten Chad Hugo kennenlernte. Die High-School-Band folgte, parallel dazu gründeten Williams und Hugo The Neptunes. In den ausgehenden 1990ern etablierte sich das Produzentenduo in der Hip-Hop- und R&B-Szene. Den ersten Achtungserfolg bescherte ihnen die Arbeit an „Kaleidoscope“, dem Debüt der Sängerin Kelis.

2001 folgte Britney Spears’ Comeback-Ansage „I’m a Slave 4 U“; The Neptunes schneiderten dem ehemaligen Teeniestar den Sound zum neuen Erwachsenenimage auf den verschwitzten Leib. Diese Sexiness wurde zu einem Markenzeichen des Duos, geschmeidige R&B-Beats mit dominantem Schlagzeug und Latin-Elementen zur Eigenart.

Kurz danach begann die Zusammenarbeit mit Spears’ Jugendliebe Justin Timberlake. Der gewesene Boygroup-Superstar startete mit dem Song „Like I Love You“ seine Solokarriere, im Video dazu tauchte Williams in einer kleinen Rolle auf. Neben dem Produzenten Timbaland waren die Neptunes in der Folge jahrelang die heißeste Adresse zwischen Hip-Hop, R&B und Glitzerpop.

Gleichzeitig formierte sich das Trio N.E.R.D., bei dem Williams für Songs wie „She Wants to Move“ erstmals seine eigene Stimme in den Mittelpunkt stellte. Der heisere Falsettgesang blieb hängen, einer Solokarriere stand nichts mehr im Weg. Das 2006 veröffentlichte Debüt „In My Mind“ war dann souverän, der erhoffte Hit war es allerdings nicht.

Kaum zu glauben, landete doch das acht Jahre später veröffentlichte zweite Album „Girl“ heuer weltweit ganz vorn in den Charts (in Österreich erreichte es Platz vier). Mit Alicia Keys, Miley Cyrus, dem Filmkomponisten Hans Zimmer und Spezi Justin Timberlake hatte sich Williams erneut hochkarätige Gastmusiker eingeladen. Lange betteln musste er da bestimmt nicht.

Nicht unerheblich für den Siegeszug von „Girl“ war, dass er mit Robin Thickes „Blurred Lines“ und Daft Punks „Get Lucky“ gleich an zwei der international erfolgreichsten Singles des vergangenen Jahres beteiligt war. Den Thicke-Hit hat er mitgeschrieben und produziert, und im skandalösen Nackedei-Video wippte er auch noch mit; Daft Punk lieh er für ihre Nachtschwärmer-Hymne neben seinem Songwriting auch seine markante Stimme.

Spätestens da wurde klar, dass Williams einfach mit jeder Art von Popmusik funktioniert. Ob Rap, Charts-Pop, R&B, House oder Funk – was er anfasst, wird zum Hit.

Und dann kam „Happy“. Daran kam wirklich niemand mehr vorbei: Der Song lief im Radio auf heavy rotation und, auf Youtube wurden täglich neue Videos aus aller Welt nach dem Vorbild des 24-stündigen (!) Originalclips hochgeladen. Williams war derart gerührt, dass ihm bei Talk-Ikone Oprah Winfrey die Tränen über die Wangen strömten. Skurrilerweise schlug der Song erst beim zweiten Anlauf ein, war er doch schon sechs Monate zuvor im Soundtrack zum Animationsfilm „Einfach unverbesserlich 2“ (Original: „Despicable Me 2“) vertreten gewesen.

Kritiker haben „Girl“ nicht nur positiv aufgenommen, Williams’ Status als einer der größten Popstars der Gegenwart zementierte es letztlich dennoch. Laut dem Magazin Forbes verdiente er heuer im ersten Halbjahr 22 Millionen Dollar. Das ist beeindruckend. Noch beeindruckender freilich ist, dass er in den letzten 20 Jahre kein bisschen gealtert ist. Davon kann sich am 18. September erstmals auch in Wien überzeugen.

Die letzte Solotour ist acht Jahre her. Was neben übergroßen Hüten und vielen Hits bevorsteht, ist schwer zu sagen. Tänzerinnen? Eine zehnköpfige Band? Spektakuläre Visuals? Berühmte Überraschungsgäste? So pompös wie Miley Cyrus’ Konzert im Juni wird es kaum werden, mit Minimalismus wird sich Pharrell Williams aber auch nicht zufriedengeben.

Neu Marx, Do 19.30


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