Totenritual im Musentempel

Am Burgtheater wurde die Saison mit der Trauerfeier für Gert Voss eröffnet. Nicht alle Redner trafen den richtigen Ton

Feuilleton | REPORTAGE: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Als Dirigent wäre Claus Peymann eine Fehlbesetzung: kein Taktgefühl. In seiner Rede auf der Trauerfeier für Gert Voss, vorige Woche auf der Feststiege des Burgtheaters, erinnerte der frühere Burgtheaterdirektor daran, dass der Verstorbene lange auf sein Begräbnis warten musste. "Immer wieder habe ich gedacht: Jetzt liegt er auf seinem Eisblock und wartet auf diesen Tag."

Weil er am 13. Juli -also mitten in den Theaterferien - gestorben war, konnte Voss tatsächlich erst mit fast zwei Monaten Verspätung begraben werden. Als Ehrenmitglied des Burgtheaters gebührte ihm nämlich jenes eigentümliche Totenritual, das zum Kult um das Burgtheater gehört wie das (inzwischen abgeschaffte) Vorhangverbot. Der Sarg eines verstorbenen Ehrenmitglieds wird auf der Feststiege aufgebahrt und nach der Trauerfeier einmal ums Theater gefahren. (Dass früher drei Runden gedreht wurden, ist ein Mythos.)

Die Trauerfeier für Gert Voss fand einen Tag vor der ersten Premiere statt: die inoffi zielle Saisoneröffnung,


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