"Boulevard der Dämmerung" revisited: Cronenbergs fiesester Film seit langem

Feuilleton | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Je glatter die Oberfläche, desto böser der Film. Das gilt zumindest für David Cronenberg, der statt auf zerplatzende Köpfe seit vielen Jahren auf schlicht virtuose Kameraarbeit und an sich unverfängliche Bilder setzt. Die brutalsten Dinge finden sich im Dialog. Nicht selten provozieren sie Lacher, obwohl sie gar nicht komisch gemeint sind.

So handelt es sich bei "Maps to the Stars" keineswegs um eine Satire auf Hollywood, wie manche Kritiker behaupten, sondern um Cronenbergs ureigene Version eines Zombiefilms. In einer der ärgsten Szenen des Films erzählt ein Teenie-Idol ein paar Gleichaltrigen, dass einer seiner weiblichen Fans auf Facebook doch tatsächlich seine Scheiße kaufe; ein-, zweimal im Jahr gebe es Durchfall im Sonderangebot. Everything must go!

Havana (Julianne Moore), die neurotische Diva, die ihre große Zeit hinter sich hat und nun darauf hofft, in einem Film ihre jung verstorbene Mutter spielen zu dürfen, entspricht noch am ehesten dem Klischee, das man aus Hollywood-Klassikern


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