Sie nennen ihn Django

Wie krempelt man eine Partei um? Der neue ÖVP-Chef Reinhold Mitt erlehner will alles besser machen. Was ihm am meisten dafür fehlt, sind Frauen an der Spitze

Politik | REPORTAGE: BARBARA TÓTH | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014


Illustration: P.M. Hoffmann

Illustration: P.M. Hoffmann

Was ist schwieriger, als die ÖVP zu reformieren? Antwort: ihren Chef Reinhold Mitterlehner zum Lachen zu bringen. Da steht der Neue auf der Bühne, das Scheinwerferlicht leuchtet ihn aus. Die eisgrauen Haarsträhnen liegen stramm, keine Bartstoppel trüben den Teint, die Krawatte sitzt wie aufgemalt. Links und rechts flankieren ihn zwei junge Spitzenpolitikerinnen. Sie sind keine Österreicherinnen, sondern wurden extra für diesen Auftakt aus der Schweiz und aus Bayern eingeflogen. Die ÖVP hat ein massives Frauenproblem, aber dazu später.

Beatrice Wertli von der Christlichdemokratischen Volkspartei und Dorothee Bär von der CSU sind nicht nur unglaublich jung, sondern echte Vollprofis. Sie strahlen um die Wette und halten geduldig das Schild mit dem neuen Slogan in die Kameras: „Evolution Volkspartei“. So nennen die Bürgerlichen ihren x-ten Selbstfindungsprozess, der nächstes Jahr in ein neues Parteiprogramm münden soll. Und jetzt Musik! Es dröhnt Rocky Roberts Italowesternschnulze „Django“ los, die Quentin Tarantino vor zwei Jahren für seinen Film „Django Unchained“ ausgrub. Mitterlehners Mundwinkel verrutschen kurz, die Haut über seinen Backenknochen spannt sich. Nein, Lachen kann man es trotzdem nicht nennen.


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