Kommentar Misshandlungsaffäre

Steinhof: wie die Stadt Wien die Transparenz verweigert

Falter & Meinung | FLORIAN KLENK | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014

Als der Kurier vor etwas mehr als drei Jahren die Misshandlungen von Jugendlichen im städtischen Kinderheim Wilhelminenberg thematisierte, reagierte SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch vorbildlich.

Er setzte eine Kommission unter der Leitung der Richterin Barbara Helige ein und ließ ihr freie Hand. Helige veröffentlichte einen exzellenten (anonymisierten) Bericht mit Einzelfällen, und der Weiße Ring entschädigte die Betroffenen großzügig.

Die Wiener Krankenschwester Elisabeth Pohl schöpfte nun Hoffnung auf späte Gerechtigkeit, sie meldete sich beim Falter und erzählte über die Misshandlungen an behinderten Kindern an einem anderen Ort: der Psychiatrie am Steinhof. Sie schilderte völlige Verwahrlosung und körperliche Übergriffe. Die Kinder seien buchstäblich im Kot gelegen.

Zuständig für den Steinhof ist nicht Christian Oxonitsch, sondern SPÖ-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und der ihr unterstehende Krankenanstaltenverbund (KAV).

Deren Aufarbeitung der Vorwürfe ist desaströs. Wehsely hat einmal keine unabhängige Kommission eingesetzt, sondern eine beherzte Ärztin des KAV. Die bestätigt zwar, dass sie "erschüttert" sei, doch der von ihr verfasste Bericht wird der Öffentlichkeit nicht ausgehändigt. Stattdessen werden Medien mit einer Presseaussendung abgefertigt, in der festgehalten wird, dass man "keine Anhaltspunkte für eine strafrechtliche Vorgangsweise" finden konnte. Das Verhalten der Ärzte habe "den Betreuungsmethoden" entsprochen.

Nein, so dürfen sich Opfer und Öffentlichkeit nicht abspeisen lassen. Der Bericht muss anonymisiert öffentlich werden. Kollege Oxonitsch, zeigt sicher, wie. F


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