WIEN AHOI!

Zwar liegt Wien nicht am Meer, einen großen Hafen hat die Stadt aber trotzdem. Wozu eigentlich?

Stadtleben | BESICHTIGUNGSTOUR: BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 37/14 vom 10.09.2014


Herbert Pfarrhofer / APA

Herbert Pfarrhofer / APA

Wenn der Motor der MS Eisvogel läuft, dann vibrieren die Scheiben im Steuerstand so stark, dass ihr Scheppern jedes gesprochene Wort übertönt. Das Brummen der Maschine im Rumpf besorgt den Rest. Wahrscheinlich hat sich Kapitän Wolfgang Steindl deshalb angewöhnt zu schreien. Auch dann, wenn er an Deck steht und man nur ein leises rhythmisches Tuckern hört. Er sieht nicht so aus, wie man sich einen Seewolf vorstellt: weder buschige Augenbrauen noch Schnauzer, auch keinen tätowierten Anker auf dem Arm. Steindl, 50, trägt eine weiße Kapitänsmütze, ein weißes Hemd unter dem sich ein stattlicher Bauch wölbt – vielleicht das Einzige, das ein wenig an das Seewolf-Klischee erinnert –, eine schwarze Bundfaltenhose, dazu schwarze Lederhalbschuhe. Die Uniform eines modernen Kapitäns.

Lautstark gibt er seiner 5-Mann-Crew die letzten Anweisungen. Die Taue werden gelöst, die Rampe vom Schiff zur Anlegestelle eingeholt. Dann steigt Steindl die Leiter zum Steuerstand hoch, wo sein Kollege Günther Liebl bereits am großen Steuerrad steht. Die MS Eisvogel ist bereit abzulegen. Der Kapitän übernimmt das schwierige Manöver den 80 Tonnen schweren, 32 Meter langen und sechseinhalb Meter breiten Eisbrecher aus der schmalen Hafeneinfahrt aufs offene Wasser zu steuern. Dann geht Liebl wieder ans Ruder; Steindl macht es sich auf einem Hocker bequem und lässt seinen Blick über die Donau streifen. Seit 35 Jahren befährt der gelernte Binnenschiffer die Donau, seit 15 Jahren ist er Hafenmeister und Kapitän am Hafen Wien.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige