Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Flüchtlinge: Zeit für den Tabubruch

Steiermark | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Fast nur Schelte kassierte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) für ihr neues Flüchtlingsquartier in Spital am Semmering. Maximal 200 Asylwerber will sie dort in einem Hotel unterbringen. Gemeinde und Land waren in die Entscheidung nicht eingebunden und fühlen sich überfahren. Die FPÖ nutzt die Gelegenheit zur Hetze -"Wellness für Asylwerber" -, und auch die Grünen sind gegen das "Massenquartier".

Sicher: Ideal wäre, wenn Bund, Land und Gemeinde im Einvernehmen mit der Bevölkerung neue Quartiere beschlössen -kleinere, bevorzugt in Städten. Weil hier das Verhältnis zwischen Asylwerbern und schon ansässigen Bewohnern leichter im Lot bleibt und es eher die nötige Infrastruktur gibt (Sprachkurse, Öffi s, Beratungsund Therapieangebote). Allein: Mehrere Länder erfüllen ihre Quoten einfach nicht, die Steiermark tat es vor der Semmering-Eröffnung nur zu 86 Prozent. Auch wenn sie zuletzt Plätze geschaffen und neue versprochen haben: Es sind zu wenige und es geht zu langsam. Es ist also verständlich, dass die Ministerin angesichts von deutlich mehr Neuankömmlingen irgendwann Fakten schafft. Dass die Länder ihrerseits nur schwer aufnahmewillige Gemeinden finden: geschenkt.

Dabei ließe sich das ewige Thema entschärfen: Indem Flüchtlinge endlich arbeiten dürften. Österreich zählt hier zu den rigidesten Ländern Europas. So verdammt der Staat Tausende zum Nichtstun, zum Leben in Heimen und zur Abhängigkeit. Anstatt jene, die das können, für sich selbst sorgen zu lassen. Das würde die Akzeptanz von Flüchtlingen stärken, und man bräuchte weniger staatliche Quartiere. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, sich einen Ruck zu geben. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige