Kunst Kritiken

Sendetermin für das einsame beste Stück

Lexikon | NS | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Was kann Intimität in Zeiten digitaler Selbstentblößung sein? Dem dialektischen Verhältnis von freiwilliger Offenlegung und der Wahrung des Nichtöffentlichen geht die neunte Ausgabe des Festivals paraflows im Künstlerhaus nach. Im Hauptraum der Schau "Intimacy" wird ein Déjàvu geboten: Die verspielte Installation "Photoboothautograph", für das die Künstlerin Marlene Haring sich selbst mit dem Apple-Programm "Photobooth" und dessen Effekten filmte, war 2009 schon in der Passagegalerie des Künstlerhauses zu sehen. Auch viele der anderen Arbeiten wirken enttäuschenderweise so, als hätte man sie schon mal gesehen. Etwa der transparente PVC-Würfel von Niki Passath, der als Zitat der utopischen Architekturen der 1960er-Jahre wenig beeindruckt. Auch Doris Hedrichs "Protheses for Instincts", tragbare Geräte, die vor Gefahren durch das Erzeugen von Gänsehaut und Ähnlichem warnen, erinnern stark an die sinneserweiternden Objekte der Brasilianerin Lygia Clark um 1968.

Ohne die Thematisierung des Selfies kommt heute freilich keine Beschäftigung mit zeitgenössischer Subjektivität mehr aus. Von Peter Wehinger stammt die Installation "Männer" mit Aktzeichnungen, als deren Vorlage ins Internet hochgeladene Nacktfotos dienten. All diese Herren mit Wampe, die ihr bestes Stück in Händen halten - ein skurriles und gleichzeitig berührendes Bild von ins Netz transferierter Einsamkeit. Indifferent lassen einen hingegen die Roboter, die wohl zwangsläufig bei einer Schau digitaler Kunst dabei sein müssen, wie das interaktive Maschinenpaar der Künstler Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler, oder Juliana Herreros Klangcollage "Milieu" aus Social-Media-Beiträgen. Kritischere Arbeiten dazu, wie Facebook &Co unsere Privatsphäre durchdringen, sucht man in dieser Schau vergeblich.

Künstlerhaus, bis 12.10.


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