Geheimsache Steinhof

Noch in den 1980er-Jahren wurden in Wien behinderte Kinder misshandelt. Die Stadt dilett iert bei der Klärung schwerster Vorwürfe. Nun bricht eine zweite Krankenschwester ihr Schweigen

Politik | RECHERCHE: RUTH EISENREICH FLORIAN KLENK | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Transparenz hatte die rot-grüne Stadtregierung versprochen. Doch jetzt, wo es unangenehm wird, wird das Versprechen gebrochen. Der elf Seiten starke "Schlussbericht" des städtischen Krankenanstaltenverbunds (KAV), betreffend die Behandlung behinderter Kinder am Steinhof, wird nicht veröffentlicht, zum Wohle der Patienten, wie es heißt.

Das ist eine Ausrede. In dem Endbericht sind gar keine persönlichen Patientendaten enthalten, wie der Falter recherchierte. Die Geheimniskrämerei schützt bloß die Interessen der Stadt Wien, die offenbar keine neue Debatte über Misshandlungen in städtischen Einrichtungen führen will.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) zeigt sich zwar "berührt", da die Behandlung der Kinder noch von der NS-Zeit geprägt gewesen sei. Aber sie hält auch fest: Alles sei rechtens gewesen, damals in den 1980er-Jahren. Niemand habe sich strafbar gemacht.

Diese Conclusio ist erstaunlich. Denn die Krankenschwester Elisabeth Pohl hatte völlig andere Details zu Protokoll


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