Vampir mit seltsamem Akzent

Best of /slash-Filmfestival: Eine neuseeländische Vampirkomödie von und mit Taika Waititi

Lexikon | Interview: Julia Pühringer | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014


Foto: Slash Filmfestival

Foto: Slash Filmfestival

Fünf Jahre im Zeichen von Blut, Beuschel und menschlichen Absonderlichkeiten: Von 18. bis 28. September findet im Wiener Filmcasino die Jubiläumsausgabe von /slash statt, dem Festival des fantastischen Films. Auf dem Programm steht die Mafia-Serie „Gomorrha“ genauso wie Horror-Hendl, „Discopath“ und „Wolfcop“.

Eine Vampir-WG aus Neuseeland passt da natürlich bestens dazu: In der Komödie „What We Do in the Shadows“ („5 Zimmer, Küche, Sarg“) streiten sich fünf Vampire um Abwasch, Lärm und Putzdienst. Wir sprachen mit Co-Regisseur und Hauptdarsteller Taika Waititi, seines Zeichens nicht nur Schauspieler und Oscar-nominierter Filmemacher, sondern auch Maler, Autor und Comedian.

Falter: Ihr Film gibt sich unschwer als Liebeserklärung an verschiedene legendäre Vampir-Darsteller zu erkennen. Wer ist Ihr Liebling?

Taika Waititi: Mein Lieblingsdracula ist auf jeden Fall Gary Oldman. Unsere drei Hauptvampire basieren auf den klassischen Filmvampiren. Meine Figur Viago ist eine Mischung aus Brad Pitt und Tom Cruise, Vladislav erinnert an Gary Oldman, und Deacon könnte aus „Lost Boys“ sein, quasi der typische Venice-Beach-Vampir aus Kalifornien.

Wie sind Sie selbst so als WG-Kollege?

Waititi: Im Großen und Ganzen bin ich ziemlich verlässlich. Ich mag’s, wenn’s ordentlich ist, nur in meinem eigenen Zimmer schaut’s immer aus … Ich trag immer Sachen nach Hause, Secondhand-Zeug, das ich auf der Straße finde. Eine Zeitlang hab ich Nähmaschinen gesammelt und heimgetragen, auch Kameras.

Sie haben „What We Do in the Shadows“ zusammen mit Jemaine Clement geschrieben und auch gemeinsam Regie geführt, gab’s da nie Krach?

Waititi: Grundsätzlich lachen wir über dieselben Sachen, wir haben auch schon öfter zusammengearbeitet. Wenn wir unterschiedlicher Ansicht waren, haben wir das besprochen, und der, der den längeren Atem hatte, hat gewonnen, weil’s dem anderen eh längst egal war. Wir sind da sehr diplomatisch.

Fällt einem mit Vampirzähnen eigentlich das Sprechen schwer?

Waititi: Ich habe zum Glück diesen seltsamen Akzent im Film, da gehört es dazu, dass ich einen S-Fehler habe, aber man muss den Mund recht weit aufmachen, damit einem die Zähne nicht im Weg sind. Nach einer Weile spürt man das.

Nazi-Vampire haben ja etwas für sich. Auch Nazi-Werwölfe und Nazi-Zombies …

Waititi: Auf jeden Fall! Ich liebe Nazi-Vampire! Und Nazi-Werwölfe! Ich habe schon einmal begonnen, einen Nazi-Werwolf-Film zu schreiben. Wir haben verschiedene Versionen probiert: eine, wo Hitler alle Werwölfe vernichten wollte, und eine, wo er sie zur Kollaboration zwang. In einer anderen Version bekam er Vampirblut-Transfusionen.

Wie haben Sie es angelegt, dass die Special Effects nicht peinlich wirken?

Waititi: Wir haben uns Mühe gegeben, dass es so echt wie möglich aussieht, wie eine Doku eben. Auch wenn die Akzente und die Figuren völlig drüber sind, sind die Situationen trotzdem ziemlich lebensnah, soweit das eben geht.

Sie haben auch als Comedian gearbeitet. Stimmt der Mythos, dass man sich vor nichts auf der Welt mehr zu fürchten braucht, wenn man einmal Stand-up-Comedy auf der Bühne gemacht hat?

Waititi: Oh ja. Ich habe aber noch nie groß Angst vor etwas gehabt. Außer vor Waffen. Aber keine Ahnung, ob mir Stand-up-Comedy hilft, wenn mich einer abknallen will.

Außerdem arbeiten Sie noch mit Mode und Fotografie. Wie entscheiden Sie, was das nächste Projekt wird?

Waititi: Ich mache mehr Filmarbeiten, einfach des Geldes wegen. Ich habe jetzt Familie, drehe viel Werbung, aber einen wirklichen Plan habe ich nicht. Der Nachteil beim Film ist, dass man immer mit vielen Leuten zusammenarbeiten muss. Manchmal ist es fein, wenn man etwas ganz allein machen kann. Manchmal merkt man auch einfach, dass man in einem Medium nichts mehr zu sagen hat – dass man etwas sagen möchte, aber nicht mit einem Film, sondern lieber mit einem Paar Hosen, das man näht.

Wie stellt man eigentlich falsches Blut her?

Waititi: Man verwendet Glukose und ziemlich viel Kaffee und Lebensmittelfarbe. Das gibt’s in verschiedenen Konsistenzen, von blutig-verschmiert bis wässrig, je nachdem, wofür man’s braucht. Es schmeckt meistens süßlich.

Filmcasino, 18. bis 28.9.

http://slashfilmfestival.com


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