Film Neu im Kino

Pubertät und Todessehnsucht: "Wenn ich bleibe"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Die 17-jährige Mia (Chloë Grace Moretz) ist seit ihrer Kindheit vom Cellospielen geradezu besessen. Soeben hat sie sich um die Aufnahme an einem renommierten Konservatorium beworben und vorgespielt. An einem Wintertag macht sie mit ihrer Familie einen Ausflug; gespannt auf die Entscheidung der Uni und immer noch traurig wegen der kürzlichen Trennung von ihrem Freund Adam sitzt sie im Auto. Plötzlich geschieht die Katastrophe - ein schwerer Verkehrsunfall. Als Mia erwacht, kann niemand sie hören oder sehen: Zwischen den Rettungskräften findet sie sich selbst lebensgefährlich verletzt am Boden liegend.

R. J. Cutlers "Wenn ich bleibe", die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Gayle Forman, hat nur auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit Jerry Zuckers "Ghost -Nachricht von Sam". Zwar begleitet Mia ihren Körper als eine Art Geist ins Krankenhaus und bewegt sich - körperlich im Koma liegend - zwischen den erschütterten Großeltern und Freunden. Der Hauptteil des Films besteht jedoch aus Rückblenden: Die Beziehung zu ihren Eltern, die erste Liebe, die die Cellistin mit dem Sänger einer Rockband zusammenbringt, die Schwere der Entscheidung, für den Berufstraum wegzuziehen - "Wenn ich bleibe" ist hier großteils authentisch erzähltes Kino für Jugendliche.

Dazwischen wechselt der Film in die Gegenwart des Krankenhauses: Mia erfährt, dass sie die einzige Überlebende ist. Die Tragik der Ereignisse präsentieren sich weniger als Tearjerker als begleitet von einer durchaus beunruhigenden Abgründigkeit: Das Publikum fragt sich mit Mia, ob es nicht besser wäre, auch zu sterben. Nachdem Mias Entscheidung mit großem, emotional nicht wenig manipulativem Aufwand vorbereitet wurde, kommt sie schlussendlich aber über sie, als hätte sie nichts damit zu tun.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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