Am Apparat Telefonkolumne

Hat die Steinhauser Bevölkerung Angst, Herr Reisinger?

Politik | ANRUF: B. NARODOSLAWSKY | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

In Steinhaus (Gemeinde Spital am Semmering) in der Obersteiermark hat das Innenministerium von einem privaten Gebäudeeigentümer ein neues Asylquartier gemietet. 150 Asylwerber aus Syrien sollen dort unterkommen. Bürgermeister Reinhard Reisinger (SPÖ) hat nichts davon gewusst. Im Ort herrscht jetzt helle Aufregung.

Wann haben Sie erfahren, dass die Asylwerber zu Ihnen kommen?

Vergangenen Montag ist ein Beamter vom Innenministerium zu mir gekommen und hat gesagt, das ehemalige Hotel Haus Semmering in unserem Ort ist vom Innenministerium für die nächsten 15 Jahre gemietet worden. Bereits am nächsten Tag sind 50 Flüchtlinge eingetroffen. Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden, es hat überhaupt keine Rücksprache mit uns gegeben.

In Syrien herrscht Krieg, die Flüchtlinge müssen ja irgendwo in Österreich unterkommen.

Im Ortsteil Steinhaus leben 180 Menschen. Wir haben dort bereits zwei Unterkünfte für Asylwerber, dort leben noch einmal 70 Menschen. Es sind großteils syrische Familien, mit denen es kein Problem gibt. Sie sind gut integriert, ihre Kinder gehen bei uns in den Kindergarten. Seit 1988 sind bei uns immer wieder Flüchtlinge untergebracht, weder die Gemeindevertretung noch unsere Gemeindebewohner sind fremdenfeindlich. Aber wir schaffen es nicht mehr, weitere Asylwerber aufzunehmen. Man kann nicht einfach einen kleinen Ort zuschütten.

Wie hat die Bevölkerung reagiert?

Sie hat unglaubliche Ängste, manche wollen sogar ihr Haus verkaufen. In einer Woche sind 100 Menschen gekommen, nur Männer. Sie haben nichts zu tun und sind deshalb auf der Straße. Wir wissen, sie sind arm und sie tun keinem was. Aber viele Frauen haben trotzdem Angst. Wenn 180 Steinhauser bald 320 Fremden gegenüberstehen, schürt das eben Ängste. Das tut weder der Integration noch den Asylwerbern gut.


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