Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: trinkbarer Apfelstrudel

Mit dem Großmütterchen lässt sich's gut Geschäfte machen

Stadtleben | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Bereits seit einiger Zeit kursiert "Omis Apfelstrudel" von der Firma Kendlbacher in Österreich. Nein, man hat hier nicht "Prost" mit "Basics" verwechselt, es handelt sich dabei um einen speziellen Apfelsaft, der, das Raten fällt wohl nicht allzu schwer, mit Zimt versetzt wurde.

Die freundliche Stimme am Telefon war schon gespannt, wie man den wohl finde. Der Skepsis wurde mit einem wohlwissenden Lächeln begegnet. Man werde begeistert sein, prophezeite man, sobald man den ersten Schluck getan hätte. "Omis Apfelstrudel" ist ein durch und durch österreichisches Produkt, das mit dem Siegel "Gutes vom Bauernhof" der Plattform für Direktvermarkter versehen wurde. Bis zu fünf verschiedene Apfelsorten werden hier zu Direktsaft verarbeitet, handverlesen, wie man dem Pressetext entnehmen kann.

Der Saft hat übrigens nichts mit dem Mixgetränk Apfelstrudel zu tun, der unverständlicherweise aus dem Kopfschmerzkokosrum Malibu, Apfelsaft und Zimt besteht. Dass der Saft nicht mit Zucker versetzt wurde, würde man nicht meinen. Er ist extrem süß, was durch die Verbindung mit Zimt im Kopf noch verstärkt wird. Man sollte schon ein ausgesprochener Zimtfan sein, um dieses Getränk zu lieben, aber diese werden wohl auf ihre Rechnung kommen. Das Corporate Design setzt voll auf Oma. Das gelbe Etikett, von dem die braun-weißlich gefärbte Großmutter lacht, wirkt altmodisch, aber auf eine Art, die nicht allzu sympathisch daherkommt. Auch die Website ist folkloristisch bis kitschig angehaucht und deswegen tendenziell unbrauchbar. MS


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