Welches Bier zum Schnitzel?

Das erste Wirtshaus Wiens, das sich konsequent dem Hopfentee widmet

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kurzer Prolog: Bier ist nicht mehr das, was Bier früher war. Bier wurde in den vergangenen 20 Jahren zur liebsten Spielwiese von Kreativen, die da mit sowohl uralten als auch neuen Bierrezepturen, Hopfensorten und Hefestämmen aus aller Welt Biere basteln, die einen sowohl kulinarisch wie intellektuell fordern. In Österreich konnte man interessante Ales, Stouts, Lagers, Weizenbiere, India Pale Ales, und wie sie auch immer heißen, bisher an wenigen Händen abzählen, seit ein paar Jahren blüht die „Craft Beer“-Szene allerdings auch bei uns. Bier ist der neue Wein, das ist extrem interessant und wird von der heimischen Gastronomie, in der die Hegemonie der drei wesentlichen Bierlieferanten kaum infrage gestellt wird, mit erstaunlicher Konsequent ignoriert. Prolog Ende.

Anfang September machte ein Wirtshaus, das vor 18 Jahren schon mit dem eher depperten Namen „DAS Wirtshaus“ eröffnete (aber eh recht okay war), unter dem nicht sehr viel geschmeidigeren Namen „Fassldippler“ auf. Und setzte sich damit der Gefahr aus, ganz einfach ignoriert zu werden, was in diesem Fall allerdings eine echte Katastrophe wäre. Und zwar nicht, weil sich das Lokal in einer so interessanten Gegend befände (nein), auch nicht, weil die gestalterische Veränderung neue Maßstäbe setzte (nicht wirklich, obwohl das etwas mehr als hundert Jahre alte Lokal glücklicherweise von Zierrat befreit und neu ausgemalt wurde). Und leider auch nicht, weil das, was die Küche des Fassldippler da liefert, irgendwie mit dem mitkäme, was gute Wirtshäuser derzeit so an den Tisch bringen.

Aber dafür haben die da eine Bierkarte, auf der an die 50 verschiedene österreichische Flaschenbiere aus zwölf Brauereien verzeichnet sind. Und dabei ist aber keine einzige Konzernbrauerei und keine unabhängige, aber halt leider dennoch fade Brauerei, die es ja auch zur Genüge gibt. Die Namen der Darsteller lauten vielmehr Forstner (St), Bierzauberei (NÖ), Loncium (K), Brewage (W), Xaver (W), Bierol (T), Erzbräu (NÖ), Gusswerk (S), Bevog (St), Hofstetten (OÖ) und Schwarz (NÖ), und das ist ein erklecklicher Teil der heimischen Bier-Avantgarde.

Okay, ein wenig Beratung wäre bei Bieren, deren Hersteller, deren Namen und deren Geschmacksprofil in Wien nur eine Handvoll Leute kennen, schon ganz gut, weil da das Frustrationspotenzial vielleicht recht hoch ist. Und ja, klar, auch beim sauren Rindfleisch mit Bohnen und Kernöl gibt es noch ein gewisses Potenzial, das war nämlich eher fad (€ 6,50), das kleine Gulasch hätte mehr Paprika vertragen, so erwies es sich als gar süß (€ 6,–). Das Surschnitzel war bis auf das unerklärliche Knoblaucharoma so weit okay (€ 10,90), die Rübenpfanne mit Feta das gelungenste Gericht von allen (€ 8,50). Sollte die Küche mit der Bierkarte gleichziehen, wäre das eins der besten Lokale Wiens.

Resümee:

Ein neu eröffnetes Beisl, das so ziemlich die gesamte Avantgarde der heimischen Bierszene präsentiert. Leider nur das.

Fassldippler
4., Johann-Strauß-G. 42
Tel. 01/890 15 93
Di–Sa 16–1 Uhr
www.fassldippler.at


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