Phettbergs Predigtdienst

Jedes dieser unserer klopfenden Herzen

Falter & Meinung | aus FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Der Seelen Reiz besteht im Zuwenden. Einfach gesagt im "Lieben" und keinesfalls im Verscheuchen von Anders-Rummigen. So viele Herzen sah ich gestern klopfen, ob wohl ihr Leben gelingen wird? "Ich" meinerseits weiß, mein Leben ist ein Scheiterhaufen gewesen. Im Schreyvogelsaal saß ich gemütlich in meinem Rollator an der Wand angelehnt, dass er mir ja nicht wegrutschen kann. Der ganze Saal war bummvoll, und vor mir drängte sich ein junger Student, ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich müsste ihm ein Zeichen geben, doch er war zu schön, zu jung und zu lieb. Wir haben so viel Angst, unsere Liebe und unser Begehren auszudrücken, am besten wir scheitern und vergraben uns. Denn LGBT (lesbisch, schwul, bi, trans) ist ja kein himmlisches Sein a priori, jedes dieser unserer klopfenden Herzen muss ein Leben lang kämpfen, der "Norm" standzuhalten. Wir sind ja nicht gern und zum Trotz Minderheit. Das Wort Gott unter Anführungszeichen sagt ununterbrochen zu mir: "Aber du weißt, es ist nicht meine Absicht gewesen." Wohl aber ist es Gottys Absicht, dass wir "uns" entfalten.

Der gestrige "Wiener Kopulationsring Ball" begann mit einem Sternengang aus allen Himmelsrichtungen in die Hofburg. Am Michaelerplatz hub plötzlich ein wilder Haufen Trommlinnen und Trommler zu trommeln an, bis sie sich zu einem wunderschönen "Ballett" gefunden hatten und dann mit der ganzen versammelten Kohorte voll klopfenden Herzens durch die Batthyany-Stiege am Jura-Soyfer-Saal vorbei in den Schreyvogelsaal schritten. Alle im Saal waren so mobil, nur ich konnte mich nur bewegen mit meinem Rollator am Arsch. Leider schloss der Saal um zehn. Wenn wir die ganze Nacht noch einander umarmen und es wild im Saal weitertreiben hätten können Als wir dann gingen, hatte ich aber kein Geld, um die Taxis für Hinund Zurückfahrt mir zu leisten, und Sir Philip, der Kassenwart des Geschehens, war schon vorausgegangen ins "Aux Gazelles", wohin ich nicht mehr gehen konnte. Als mich in meiner Not Matthias, der wie ich auch Mitglied der "Onania" ist, sah, erbarmte er sich meiner und borgte mir 15 Euro für die Heimfahrt. Es waren so viele Orden gestern anwesend: Analia, Chlamydia, Onania, Cunnilingua und Klitoria. Gestern war's göttlich! F

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