Ohren auf Ambient /Neoklassik

A Loop Is a Loop ...

Feuilleton | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Als "Reiseberichte aus dem Inneren des Loops" bezeichnet Technolegende Wolfgang Voigt seine laufende Serie "Rückverzauberung"."Rückverzauberung 9. Musik für Kulturinstitutionen" (Kompakt) ist die wunderlichste und wundervollste Folge darin -und Voigts zwingendste Ambient-Arbeit seit seinem Projekt Gas in den späten 1990ern. Hier schwelgt er fünf Stücke und 50 Minuten lang im nur dezent verfremdeten Klang von Blasinstrumenten. Im Stile einer immer wiederkehrenden Fanfare ziehen sie feierlich ihre hypnotischen Schleifen, bis man sich als Hörer Raum und Zeit komplett enthoben fühlt. Entstanden ist die Musik als Auftragsarbeit für eine Ausstellung mit dem Titel "Doofe Musik, Lieder zum Träumen, Betäuben und Vergessen". Treffender lässt es sich kaum ausdrücken.

Aus einer ganz anderen Ecke kommt der in England lebende US-Musiker Craig Leon. In den letzten Jahrzehnten hat er sich auf klassische Stücke und Filmmusik konzentriert, in den 1970ern half er als Produzent den Talking Heads oder Blondie, ihren Sound zu entwickeln. Dazwischen machte er kurz elektronische Musik. Seine auf Loops basierenden Werke "Nommos" und "Visiting" erforschten 1981/82 den Zusammenhang zwischen Rhythmus und himmlisch schönen Harmonien. Jetzt wurden die beiden Alben unter dem auch nicht unzutreffenden Titel "Anthology of Interplanetary Folk Music Vol. 1" (RVNG) neu aufgelegt. Außerirdisch gut.

Den genau umgekehrten Weg -vom Pop/Rock zur Klassik -scheint Richard Reed Parry einzuschlagen. Der Kanadier ist im Hauptberuf Multiinstrumentalist bei den beliebten Pathosrockern Arcade Fire. Auf seinem Debüt für Deutsche Grammophon wandelt er auf den Spuren von John Cage und Philip Glass. Tempi und Rhythmen der zarten Stücke werden durch die Herzoder die Atemfrequenz der einzelnen Musiker bestimmt. Ergo: "Music for Heart and Breath"


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