Buch der Stunde

Porträt der Mätresse als Machtpolitikerin

Feuilleton | JULIA KOSPACH | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Es ist genau 250 Jahre her, dass Madame de Pompadour (1721-1764) im Alter von nur 42 vollkommen ausgezehrt auf ihr Sterbebett sank. Kein Wunder, hatte die berühmteste Mätresse des an großen Mätressen reichen 18. Jahrhunderts fast 20 Jahre lang doch den stets von tödlicher Langeweile bedrohten Ludwig XV. bei Laune gehalten, ihm sogar jüngere Gespielinnen zugeführt. Bald schon antichambrierten Minister, Botschafter und Bittsteller aller Art bei ihr, wenn sie des Königs Gehör finden wollten.

Jeanne-Antoinette de Pompadour behauptete sich im Haifischbecken des französischen Hofes, wo sie mindestens so viele erbitterte, mächtige Feinde hatte wie strategische Verbündete. Sie war die erste Bürgerliche in der Rolle der offiziellen Königsmätresse und musste nicht nur in Versailles, sondern auch beim unzufriedenen vorrevolutionären Volk als Sündenbock herhalten, als Inbegriff von Verschwendungssucht und weiblicher Durchtriebenheit.

Das Klischee hält sich bis heute. Die hochintelligente,


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