Der Text als Maßanzug

steirischer herbst I: Die Transmissionare zeigen ein Hochzeitsstück. Natascha Gangl und Kathrin Mayr erzählen, wie das geht

Steiermark | HOCHZEITSGAST: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014


Foto: J. J. Kucek

Foto: J. J. Kucek

An diesem Tag sind die schwarzen Vorhänge im Theater am Lend aufgezogen, der Hintereingang ist geöffnet. Und weil gerade Probenpause ist, halten die Autorin Natascha Gangl und ihre Regisseurin Kathrin Mayr kurz ihre Nasen in die Sonne. Es ist schon lange nicht mehr schön gewesen. Auf der Probe dann ist die Stimmung konzentriert, daran ändert auch nichts, dass die beiden bärtigen Darsteller Richard Barenberg und Mathis Kleinschnittger in Brautkleidern stecken und der Musiker Sergio Vásquez Carrillo mit den Ritualen rund um heimische Schenkelklopferwitze nicht viel am Hut hat. Die Autorin sitzt daneben. Nickt zuweilen.

Die Arbeitsweise von Gangl und Mayr hat nur sehr wenig mit dem zu tun, was sonst am Theater passiert, wenn ein neues Drama zur Uraufführung gebracht werden soll. „Wenn ich einen Text schreibe“, erläutert Gangl, „mache ich gerne einen Anfang. Aber es ist für mich nicht interessant, die Dinge dann allein zu Ende zu denken. Wenn die Geschichte, sagen wir, ein Stück Fleisch ist, will ich sie den anderen nicht zu Ende gekaut hinwerfen. Ich habe viel mehr Lust, einen Text zu machen, der letztlich sitzt wie ein Maßanzug – keine Stangenware, die unendlich reproduziert werden kann. Es ist schön, den Bogen und sein Ende gemeinsam zu finden, dabei die Spieler einzubinden, den Ort, einfach alles.“


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