Es lebe das Laster

Das erfolgreichste Lokal der vergangenen Jahre macht jetzt Take-away

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Was genau das Mochi in der Praterstraße zum Erfolgsmodell werden ließ, darüber zerbrechen sich seit Jänner 2012 so ziemlich alle Spezialisten dieser Stadt den Kopf. Manche meinen, die Gegend sei einfach gut, dieser etwas abgeschnittene, so französisch anmutende Teil der Praterstraße mit seinen Bäumen und extrabreiten Gehsteigen, da könne jeder; andere sagen, dass Sushi halt einfach immer gehe, und dass die Mochi-Leute außerdem noch so gemeine Tricks wie geile Mayonnaisen und knusprig gebratenes Seafood einsetzen würden; oft hört man auch, dass es das schlichte Ambiente mit offener Küche und nur wenigen Plätzen sei, Verknappung also.

Auch nicht ganz unwesentlich dürfte sein, dass die jungen Leute aus Tirol, Wien und Israel mit gemeinsamem Berlin-Background ganz vehement gegen einen bisher unwidersprochenen Grundsatz der Wiener Gastronomie verstoßen, nämlich indem sie so erschütternd fröhlich und freundlich sind, dass man gleich einmal glaubt, woanders zu sein. Nicht nur Regelwidrigkeit, sondern nachgerade Tabubruch also. Schamlos.

Und jetzt machen sie sogar noch ein Lokal. Gleich gegenüber und tückischerweise Gerichte anbietend, die man mitnehmen kann. Die also ermöglichen, dass auch jene Leute Mochi-Essen essen können, die nicht einen Monat vorher einen Tisch reserviert haben oder auch gar nicht die Zeit haben, sich in das Lokal zu setzen. Perfide.

Ein Jahr lang hätten sie am Konzept gefeilt, meint Tobias Müller, sicher maßlos übertrieben, nach Verpackungen gesucht und an der Logistik gearbeitet. Okay, das Design – wieder von Kohlmayr Lutter Knapp – im Stil eines japanischen Geschäfts, mit jeder Menge hübschem und gutem Zeug in den Regalen, ist ganz hübsch. Aber das sind andere ja auch. Und was soll überhaupt dieser Name „o.m.k“? Orchestral Manoeuvres in the Kitchen? Oh mein Kott? Otto, Maria und Kurt? Dabei heißen die doch Tobias, Sandra und Edi … Aha, Kurzform von „omochikaeri“, japanisch für Take-away. Na bitte, wenn sie glauben.

Und klar machen sie da jetzt wieder Sachen, auf die die Leute abfahren werden. Die Sushis und Makis haben sie natürlich extra so schön gemacht, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft, fies, und diese Rollen mit Avocado oben drauf und mit Panko-Mehl unendlich knusprig frittierte Garnelen drin sind hinterfotzig gut (€ 9,–). Allerdings nichts gegen dieses Ding namens Pork-Bun, ein flaumiger Germteig-Lappen mit Pulled Pork und marinierter Gurke, Hoisin-Sauce und Nüssen drin. Macht süchtig. Ist gefährlich. Gehört verboten.
(€ 4,80.)

Werden sie wieder sicher alle hinrennen, diese Lemminge, wird die Presse wieder schreiben wie nicht gescheit. Aber okay. Eines nehm ich diesen Mochi-Leuten allerdings wirklich übel: dass sie das o.m.k nicht bei mir ums Eck aufgemacht haben …

Resümee:

Ein neues, hübsches Take-away-Lokal mit Sushi, Edamame, Miso, überirdischen Pork-Buns und anderen Mochi-Köstlichkeiten.

o.m.k
2., Praterstr. 16
Mo–Fr 11–16 (ab Oktober 11–21) Uhr
www.o-m-k.at


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