"In Wien fühle ich mich verstanden"

Der Pop-Troubadour Scott Matthew eröffnet im Konzerthaus das Festival Waves Vienna

Lexikon | Interview: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014


Foto: Michael Mann

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Scott Matthew kommt in die Stadt. Gut, das tut er recht häufig, aber es ist doch immer wieder erfreulich. Diesmal eröffnet der australische Songwriter mit Hauptwohnsitz New York das Popfestival Waves Vienna. Wir erreichten den Mann mit der Zitterstimme und der Überdosis Gefühl in den Liedern telefonisch in Berlin.

Falter: Scott Matthew und Wien, war das Liebe auf den ersten Blick?

Scott Matthew: Ich weiß nicht wirklich, woran das liegt, aber ich wurde in Wien außergewöhnlich herzlich aufgenommen. Immer, wenn ich da bin, fühle ich mich sehr wohl. Wie soll ich es ausdrücken? In Wien fühle ich mich verstanden. Und das ist es doch letztlich, was wir alle wollen.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Konzert hier erinnern?

Matthew: Das muss im Wuk gewesen sein, nachdem ich mein erstes Album veröffentlicht habe. Damals ging alles los. Komischerweise habe ich keine großen Erinnerungen daran.

Ihre speziellsten Auftritte hier waren wohl die beiden Abende im Phil.

Matthew: Genau. Ich meine, wie oft tritt man schon in einer Buchhandlung auf? Es ist fast, als würde man in einem Wohnzimmer spielen. Das waren zwei sehr schöne Abende voller Intimität. Ich mag es, so nah an den Zuhörerinnen und Zuhörern dran zu sein. Wobei man natürlich auch in größeren Sälen für eine intime Stimmung sorgen kann, wenn es einem gelingt, sein Publikum zu erreichen.

Im Phil spielten Sie erstmals Whitney Houstons „I Wanna Dance with Somebody“. Alle waren baff.

Matthew: Das ist auch eine schöne Sache: wenn man das Publikum überraschen kann. Damals experimentierte ich gerade mit einigen Songs rum, die dann auf „Unlearned“ landeten, meinem Album mit Coverversionen.

Wie wählten Sie die Songs für dieses Album aus?

Matthew: Das sind alles Lieblingslieder aus verschiedenen Phasen meines Lebens. Ich erinnere mich, dass mein Vater oft Platten von Leuten wie Kris Kristofferson aufgelegt hat. Eine frühe Begegnung mit Singer/Songwritern, die mich wahrscheinlich dazu gebracht hat, selbst Songs zu schreiben. Und dann sind natürlich auch Songs aus meiner Jugendzeit drauf, von damaligen Helden wie The Jesus & Mary Chain oder Morrissey.

Ihre Interpretationen sind sehr eigenständig. Haben Sie beim Singen dann auch das Gefühl, dass diese Lieder zu Ihren eigenen werden?

Matthew: Perverserweise ja. „I Wanna Dance with Somebody“ habe ich schon so oft gespielt, dass ich dabei gar nicht mehr an Whitney Houston denke.

Ihre Tour durch Wien geht weiter: Letztes Jahr spielten Sie im Jazzclub Porgy & Bess, diesmal im Mozart-Saal des Konzerthauses.

Matthew: Das wird aufregend. Ich war noch nie im Konzerthaus, aber ich weiß natürlich um die Bedeutung der klassischen Musik in Wien. Ich habe mir vorgenommen, den Rahmen einfach zu genießen. Peinlicherweise bin ich ja ein kompletter Autodidakt und hatte nie auch nur eine einzige Musikstunde. Gleichzeitig bediene ich mich durchaus bei der Klassik, etwa wenn es um das Kapitel Streicher geht. Ich verstehe zwar nicht viel von klassischer Musik, aber sie fasziniert mich.

Haben Sie ein spezielles Programm für den Abend?

Matthew: Ja. Einerseits wird es einen Querschnitt durch meine bisherigen drei Studioalben und das Coveralbum geben, ich werde aber auch ein paar neue Songs spielen. Ich nehme nämlich noch vor dem Wien-Konzert in Portugal mein neues Album auf.

Das Konzert ist doch schon in wenigen Tagen. Wie geht sich das aus?

Matthew: Ich fliege heute noch nach Portugal. Dort spiele ich ein Konzert, danach haben wir für sechs Tage ein Studio gebucht.

Sänger nehmen oft Coveralben auf, um auf neue Ideen zu kommen. Werden Ihre neuen Songs anders klingen?

Matthew: Ich denke schon. Es wird darauf mehr elektrische Gitarre zu hören sein und die Songs werden auch elektronischer sein, voller im Klang. Ich hoffe, die Aufnahmen klappen gut. Dann werde ich sehr erleichtert und voller Glücksgefühle zum Konzert nach Wien anreisen.

Sie sind in Europa viel erfolgreicher als in den USA. Reizt es Sie nicht, von New York hierher zu ziehen?

Matthew: Vor einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, denn ich habe auf meinen Konzertreisen in Europa einige sehr schöne Städte kennengelernt. Aber ich habe mich im letzten Jahr neu in New York verliebt und bin dort gerade sehr glücklich.

Konzerthaus, Mozart-Saal, Mi 19.30 Waves Vienna: www.wavesvienna.com


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