Fremd in der eigenen Welt: Was ist das für ein Land?

Der Soziologe Hauke Brunkhorst sucht nach den intellektuellen Wurzeln der Europäischen Union und findet zwei Denktraditionen

Politik | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Je länger man Europa vernünftig anschaut, desto unvernünftiger schaut es zurück." Mit diesem Satz beginnt der Soziologe und Philosoph Hauke Brunkhorst sein Buch über Europa und die gedanklichen Wurzeln der Union. Er dreht damit einen Satz des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegels um, der noch der Meinung war, man müsse nur vernünftig in die Geschichte hineinsehen, dann schaue sie auch vernünftig zurück.

Brunkhorsts Kernthese lautet wie folgt: In Europa, das heißt, in der EU, läuft vieles von Anfang an verkehrt, auch wenn die europäische Einigung noch so oft als erfolgreiches Projekt gelobt wird, dem zuletzt der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Die Friedens-und Weltbeglückungsrhetorik, mit der die Geschichte der EU besungen wird, ist verlogen, denn am Anfang der europäischen Einigung stand die doppelte Verdrängung ihres wirklichen Ursprungs.

Diese zeichnet Brunkhorst detailliert nach. Verdrängt wurde der emanzipatorische Anspruch, mit dem die europäische Einigung 1945


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