"der kopf des vitus bering" oder die Freude des Avantgardisten am Enthaupten


KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Das Faszinosum, das 50 Jahre nach seinem Freitod von Konrad Bayer noch immer ausgeht, gründet nicht zuletzt in dessen Ruf als Dandy und Charismatiker, den die Zeitgenossen überliefern und von dem die Auftritte des Dichters in den Filmen von Ferry Radax ("Sonne halt!") zumindest einen Eindruck vermitteln. Liest man das nun neu aufgelegte Fragment "der kopf des vitus bering", das, sehr passend, in der Reihe "Österreichs Eigensinn" neu aufgelegt wurde, erscheint einem Oswald Wieners Ansicht, dass Bayers Esprit nur sehr bedingt Eingang in dessen Schriften gefunden habe, recht plausibel.

Der Titelheld, der im Dienste von Zar Peter I. stehende Kapitän und Entdecker Vitus Bering (1681-1741), fungiert als McGuffin für ein assoziatives, Forschungsreisen zitierendes Textgewebe, durch das ein paar leitmotivische Schiffchen schießen (wie etwa Köpfe und historisch und ethnologisch verbürgte Formen ihres Abschlagens), das sich aber um Chronologie, Handlungslogik, Psychologie oder Figurenidentität

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