Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Offl ine-Store der Welt der Woche

Was wirklich zählt auf dieser Welt

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Das Problem ist allen Fashion-Victims bestens bekannt: Die Knöpfe des neuen, im Ausverkauf erstandenen, aber immer noch ganz schön teuren Anzugs lösen sich bereits beim Auspacken. Für den Fall, dass man es nicht bemerkt und den Knopf tatsächlich verliert, sind dem Kleidungsstück Ersatzknöpfe beigegeben. Denn so unambitioniert Modedesigner auch sein mögen, die Knöpfe müssen "original" sein, sprich: den Markennamen eingeprägt haben. Hat man die Ersatzknöpfe aufgebraucht oder das Heringsfass voller Ersatzknöpfe, das man zu Hause stehen hat, in einem Anfall von Ersatzknopfekel in den Donaukanal getreten, schlägt die Stunde des Kurzwarenhändlers.

Weil man Markenmodeknöpfe nicht nachbekommt, müssen Menschen ohne Ersatzknöpfe, die identische und nicht ähnliche Knöpfe an ihrem Anzug haben wollen, den gesamten Knopfbestand austauschen. Man betritt also ein Kurzwarengeschäft und sagt: "Ich möchte den gesamten Knopfbestand meines nachtblauen Anzugs austauschen" - schon greift die Kurzwarenverkäuferin in ein Fach, öffnet eine Lade und legt ein Buch voller nachtblauer Knöpfe vor, einer schöner als der andere.

In einem Kurzwarengeschäft kriegt man aber nicht nur so banale Dinge wie Knöpfe, Nadeln, Zipps und Borten, sondern auch ein Satinschrägband, eine Schabrackeneinlage oder ein Stickvlies. Und falls einmal was plissiert werden muss oder eine Posamentenpaspel gefragt wäre: Der Kurzwarenhändler hat's.

Sollten einen die alten Anzugknöpfe anöden: schnell die Auftrennnadel gezückt und, ratzfatz, runter mit den Knöpfen; auf ins Kurzwarengeschäft; den Knopfbestand ausgetauscht! Die Auftrennnadel gibt's übrigens im Kurzwarengeschäft. Ein tolles Tool!


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