Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Champagner

Champagner regnet vom Himmel

Stadtleben | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Champagner trinken ist nicht leicht -Dekadenz will gelernt sein. Schnell stellt sich für den önologischen Laien ob des beträchtlichen Preises die Sinnfrage: Schmeckt man denn wirklich den Unterschied zu Sekt? Woran erkennt man (blind), dass es sich um jene hochbegehrte Flüssigkeit handelt, um die sich so viele Geschichten ranken? Untrügliches Zeichen ist der bitterschokoladeartige Geschmack im Abgang und der moussierende Schaum. Es kann passieren, dass der erste Schluck säuerlich daherkommt. Guten Stoff erkennt man daran, dass sich bereits der zweite samtig weich an den Gaumen schmiegt. Man verwendet, obwohl sie hübsch wären, keine flachen Schalen, sondern die klassischen tulpenförmigen Gläser. Zu schnell würden die vielen kleinen Bläschen entweichen, die den Champagner auszeichnen. Auch der Stiel des Glases sollte möglichst lang sein, damit sich die Körperwärme nicht auf das flüssige Gold überträgt. Das Gebiet Champagne liegt im Nordosten von Paris, und dort haben sich seit den Anfängen im 17. Jahrhundert die Rebsorten Chardonnay, Pinot noir und Pinot Meunier durchgesetzt. Damals hat man der Mazeration, sprich der Herauslösung der Farbstoffe aus der roten Traubenhaut, keine Beachtung geschenkt, und so waren die ersten Flaschen noch roséfarben. Ein Großteil des heute produzierten Champagners ist weiß, obwohl überwiegend rote Traubensorten zum Einsatz kommen. Strenge Regeln bei Ernte und Pressvorgang verhindern, dass die "unschönen" Farbstoffe in den Saft gelangen. MS


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige