Mediaforschung Verführungskolumne

Wenn der Sommer zu Ende geht, was wär diese Welt ohne Lieder?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Am Ende versuchte der Sommer 2014 zu retten, was zu retten war, und zwang die scheue Sonne noch ein paar Tage vor den Wolkenvorhang. Es reichte nicht. Es war eine miese Vorstellung und wir wollen unser Geld zurück! Vor allem dann, wenn wir die Raffaello-Werbung sehen -die mit der blonden Frau im weißen Sommerkleid und Strohhut, die barfuß über den meernassen Karibikstrand spaziert und sich unterm blitzblauen Himmel eine Raffaello-Kugel in den Mund stopft. "Endless Summer" heißt die Werbung. Zynischer geht's wirklich nicht.

Und doch wärmt der Spot offenbar aufgrund des sommerlichen Hintergrundgedudels auch an Schlechtwettertagen so manches Herz. Eine beherzte Leserin ließ nachfragen, ob der Falter nicht einmal bei Raffaello nachfragen könne, wie denn der Song heiße und ob man ihn denn kaufen könne.

Keine abwegige Idee. Schließlich wurden einige Künstler erst durch Werbungen berühmt: Shaggy sang "Boombastic" für Diesel, The Dandy Warholes "Bohemian Like You" für Vodafone und The Flames "Everytime" für Afri-Cola. Verhilft nun auch Raffaello Künstlern zum Durchbruch?

Nein. Die Raffaello-Pressesprecherin lässt ausrichten: Jano Sela, Thomas Woodworth und Nicolas Rebscher komponierten den Song "Raffaello Infinity -Ansolei" exklusiv für die Zuckerkugel. Man kann ihn also nicht kaufen. Die gute Nachricht: Fans haben das halbminütige Lied auf Youtube in Eigenregie auf Radiolänge aufgeblasen. Die schlechte: Es klingt wie die Vertonung des heurigen Sommers.


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