Mehr als nur vier Wände

Diese Woche startet die Vienna Design Week. Ein Besuch bei Lilli Hollein, der Direktorin des Festivals

PORTRÄT: CHRISTOPHER WURMDOBLER | Stadtleben | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014


Foto: Designforum

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Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs: Das hat Lilli Hollein versprochen, wenn man sie so kurz vor Beginn der Vienna Design Week noch im Büro besuchen will. Doch von Nervenzusammenbruch ist keine Rede im slick designten Hauptquartier des Festivals im ebenso slicken Nouvel-Turm am Donaukanal. Die Stimmung ist entspannt, Frauen und übrigens auch ein paar Männer telefonieren leise hinter Papierbergen versteckt, die sich auf Schreibtischen türmen. Ein großer Besprechungstisch, eine Menge Sessel, lackiert in den Festival-Leitfarben der vergangenen Jahre. Hollein, Miterfinderin und erstmals allein verantwortliche Direktorin der Großveranstaltung, bittet zum Tee und serviert ihn aus einer dieser hübschen wie unpraktischen gläsernen Karaffen, an denen man sich leicht die Finger verbrennt. „Nicht alles Design ist zweckmäßig“, sagt sie und benutzt einfach ihre Jacke als Topflappen. Hollein ist eine Frau der handfesten Lösungen.

Zum achten Mal steigt diese Woche die Vienna Design Week: mit mehr als 150 Veranstaltungen an gerade einmal zehn Festivaltagen ein riesiger Publikumsmagnet und mittlerweile auch in der internationalen Fachwelt sehr geschätzt. Dabei sprengt das, was Hollein und ihr Team heuer wieder auffahren, zum Glück das übliche Designbild der hübschen, aber unpraktischen Teekanne. Zu Produkt-, Industrie- und Kommunikationsdesign wird es wieder Projekte zum Thema soziales und experimentelles Design geben.

Erstmals steht auch Architektur im Fokus, was unter anderem mit der Festivalzentrale im Palais Schwarzenberg zusammenhängt. Für die Dauer der Designwoche ist das seit acht Jahren geschlossene Palais hinterm Hochstrahlbrunnen wieder zugänglich, monatelang hat Hollein dafür mit den aktuellen Stellen verhandelt, endlich ist Schlüsselübergabe. Strom gibt es in dem stillgelegten Ort noch keinen und, ach, die Toilettensituation!

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