Aber bitte mit Sahne! Eine gespielte Geburtstagstorte für Peter Turrini

Feuilleton | THEATERKRITIK: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Am 26. September feiert Peter Turrini seinen 70. Geburtstag. Alle drei Wiener Großbühnen schenken dem Jubilar Inszenierungen seiner Stücke. Das ist zwar ein bisschen einfallslos, kommt bei einem Dramatiker aber immer gut an. Außerdem haben ja alle drei Bühnen ein Naheverhältnis zu Turrini. Er begann seine Karriere mit einem Skandal am Volkstheater ("Rozznjogd", 1971), war zur Peymann-Zeit der Bürgerschreck des Burgtheaters und fand zuletzt ausgerechnet in der bürgerlichen Josefstadt eine neue Heimat.

Das Theater in der Josefstadt ist nun auch der erste Gratulant. Hier steht aus gegebenem Anlass die Uraufführung "C'est la vie - Eine Revue" auf dem Spielplan, wobei Uraufführung etwas irreführend ist.

Es handelt sich nicht um ein Stück, sondern um eine Kompilation aus 93 autobiografischen Texten -darunter pubertäre Liebeslyrik ("Ich will dich halten, bis die Kehle einer Blume hell von dunkel trennt") oder ein Bettelbrief an den Bruder ("Kannst du mir etwas Geld schicken?"), vor allem aber Gedichte aus den Bänden "Ein paar Schritte zurück" und "Im Namen der Liebe".

Die von Stephanie Mohr inszenierte Geburtstagstorte ist mehr Textinstallation als Drama. Vor einer liebevoll mit passenden Requisiten (Kasperltheater, Orangenbaum, Kirchenfenster) angefüllten Schrankwand (Bühne: Miriam Busch) werden die Textpartikel von zwei Schauspielerinnen und drei Schauspielern gesprochen, unterstützt von einer Souffleuse und dem Musiker Wolfgang Schlögl.

Der nur 70 Minuten kurze Abend durchläuft Turrinis Leben im Schnelldurchgang. Seine Selbstbiografie ist charmant, aber oft auch sehr larmoyant. Im Grunde, so scheint es, ist Peter Turrini zeitlebens der dicke Bub geblieben, der sich mit der Schreibmaschine gegen eine feindselige Welt zur Wehr setzen musste. C'est la vie.

Nächste Aufführungen: 24. und 26.9., Theater in der Josefstadt. Die Buchfassung ist bei Amalthea (176 S., € 24,95) erschienen


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