Nüchtern betrachtet

Als Eigenbrutbetuttler sind meine Tage gezählt

Feuilleton | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Jetzt, da die Tage kürzer werden, ist es fast noch dunkel, wenn mich mein ganz persönlicher Chor der Zigarettenarbeiterinnen ("Carmen", erster Akt) aus dem benachbarten Supermarkt endgültig aus dem Halbschlaf holt; bloß dass ich die Sozialgeräusche, die aus dem zum Schwatzkobel und Rauchpäuschenkabäuschen umfunktionierten Abstellraum an mein Ohr dringen, weniger als glockenhelles Lachen denn als kreissägenschrilles Gekuder klassifizieren würde. Aber um viertel sieben bin ich naturgemäß noch etwas ungnädig.

Immerhin, meine Füße kann ich jetzt in ein Paar federbettweiche und heuschobergroße laotische Puschen mit aufgenähten Elefanten stecken, das ist schon mal eine erste Wohltat. Sie sind ein Geschenk der Tochter, die endlich heimgekehrt ist, nachdem sie zehn Wochen durch Südostasien getrampt war und diese allem Anschein nach hauptsächlich mit Essen verbracht hatte (ein gefühltes Drittel ihrer zweieinhalbtausend Fotos sind Food-Shots). Die Mühe, so tun zu müssen, als wäre

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