Theater im Bahnhof & Theater am Ortweinplatz beziehen Position im Schleudergang

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Anschauen, nicht zuschauen", lautet die Gebrauchsanweisung, die Manfred Weissensteiner seinem Publikum für die TiB-TaO!-Kooperation "Position" mitgibt, gleich nachdem er gemeinsam mit Rupert Lehofer die Bühne betreten hat. Aber halt. Es ist keine Bühne, die die beiden bespielen, sondern, sagen wir: eine als Hobbyraum verkleidete Waschküche für mittelalte Männer, die zwischen Bügelbrett und Wäscheleine gern mal kurz Billard spielen. Oder Kaffee kochen. Oder Gedichte aufsagen. Oder den Tanz der Wäscheschleudern tanzen.

Im gleichförmigen Neonlicht entwickelt sich da eine schlichte Erzählung vom Tun. Das alles ist als eine Form privater Gentrifizierung anzuschauen - so viel geht aus den Erläuterungen hervor, mit denen sich die beiden beim Wäschewaschen, -schleudern und -aufhängen begleiten. Das führt direkt zur großen Kant'schen Frage, der sich Rupert und Manfred gegenübersehen: Was ist der Mensch? Die Antwort darauf gibt das Pensionskonto. Mit seiner leider lückenhaften Liste beruflichen Wirkens ist es, so Rupert, "das, was von dir bleibt". Der Grabstein der Lebenden.

Doch damit geben sich die beiden nicht zufrieden. Im gentrifizierten Hobbykeller wird der Aufstand geprobt. Formal kommt das TiB-Freunden eh ganz vertraut vor. Und doch ist noch selten jemandem so viel Leichtigkeit gelungen wie den beiden. Unterstützt etwa von Johanna Hierzegger, Ed. Hauswirth, Helmut Köpping, Christina Lederhaas und Georg J. Andree wurde da etwas Wunderbares gewirkt. Selten war Theater so berührend, so komisch, so privat, so eindeutig kein Theater.

Theater im Bahnhof, Graz, Fr, Sa 20.00


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