Gelesen Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Umstrittene Straßennamen Nachdem der nach dem ehemaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger benannte Abschnitt des Rings in "Universitätsring" umtituliert wurde, beauftragte die Stadt Wien Wissenschaftler unter Leitung Oliver Rathkolbs damit, die Wiener Straßen-und Platznamen nach anderen strittigen Biografien zu untersuchen. Eine große Aufgabe. Von den 6696 Verkehrsflächen sind 4249 nach Personen benannt -nebenbei bemerkt 3863 nach Männern und nur 386 nach Frauen. 159 wurden als "problematisch" eingestuft, weil sie Bezug zur NS-Zeit haben. Das kritische Lesebuch listet sie nun -nach Berufsgruppen geordnet - auf. So liest man etwa über den Architekten Roland Rainer, dem im 15. Bezirk ein Platz gewidmet ist, dass er seit 1938 NS-Mitglied war und entsprechende Texte publiziert hatte, beides aber in seiner späteren Biografie ausblendete. B. TÓTH

Peter Autengruber u.a. (Hg.): Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Pichler, 280 S., € 24,99

Der jüdische Blick NU, das Vierteljahresmagazin für jüdische Themen, das vom Publizisten Peter Menasse und der Direktorin des Jüdischen Museums Wiens, Danielle Spera, maßgeblich getragen wird, wartet in seiner jüngsten Ausgabe mit einem spannenden Interview mit Außenminister Sebastian Kurz auf. Es geht um den Nahostkonflikt, die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher und ihre Sympathien für IS und Antisemitismus. "Ja, wir haben vor Jahrzehnten Menschen als Gastarbeiter geholt. Keiner hat sich darum gekümmert, dass die Deutsch lernen. Viele sind darunter, denen man vermittelt, dass sie nicht willkommen, nicht heimisch hier sind", gesteht Kurz ein. Er fordert klar die Unterstützung der Islamischen Glaubensgemeinschaften beim Aufdecken von "Radikalisierung". Sie sei verantwortlich, denn "sie wählt viele der Imame in den Moscheen aus". BT

NU. Jüdisches Magazin für Politik und Kultur 57 (3/2014), 60 S., € 4,50


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