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Falter & Meinung | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Blasen sind faszinierende Gebilde und eine wirkmächtige Metapher für die Kohäsionskräfte des Sozialen. Peter Sloterdijk hat (im ersten Teil seiner "Sphären"-Trilogie) ebenso über sie nachgedacht wie Tina Fey (in Episode 15 der dritten Saison von "30 Rock":"The Bubble"). Wenn eine Blase platzt, kann das schlimmstenfalls zum Bankrott führen, es kann aber auch einen heilsamen Erkenntnisschock auslösen: Nein, die Immobilienpreise steigen auch dann nicht ewig, wenn sie durch leichtfertig vergebene Kredite gestützt werden; und, nein, Fisch kann man nicht mit Gatorade kochen!

Eine "Blosn" ist im Wienerischen eine mitunter durchaus abfällige Bezeichung für Clique. Hier gelangen die beiden Bedeutungskerne zur Fusion: der Zusammenhalt und die Illusion. Denn die soziale Blase ist natürlich oft ein Ort abschottungsbedingter Realitätsverzerrung und -verweigerung. Je homogener das Milieu, in dem man sich bewegt, umso eher wird man davon ausgehen, dass die ganze Welt so aussieht wie die eigene Blase. Oft muss man dann perplex zur Kenntnis nehmen, dass es selbst in der eigenen Blase nicht so einheitlich zugeht, wie man glaubt: Es gibt dort Menschen, die SUVs fahren, Tischgebete sprechen, noch nie mit Koriander gekocht haben oder kein Falter-Abo besitzen. Seit kurzem wissen etwa ich und einige ungenannt bleiben wollende Kolleginnen und Kollegen, dass es unter uns viele gibt, die Udo Jürgens nicht bloß menschlich und politisch okay finden, sondern echt mögen; mögen im Sinne von hören. Aus Blasenperspektive: erstaunlich!


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