Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Höchste Eisenbahn

Steiermark | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Geht es nach VP und SP, sollen die Tickets für Bus und Bim billiger werden. Die Jahreskarte soll für alle, die in Graz ihren Hauptwohnsitz haben, statt 399 nur noch 228 Euro kosten. "Für Graz arbeiten statt taktieren", schreibt die VP auf Facebook. Doch das stimmt nicht ganz: Die billige Öffi -Karte ist ein taktisches Angebot an die übrigen Parteien. Bürgermeister Siegfried Nagl muss um die Mehrheit fürs Budget und damit vor Neuwahlen zittern, seit die FP die Koalition verlassen hat. Nun macht Schwarz-Rot die günstigen Tickets von einer Zustimmung zum Budget abhängig. Die Grünen haben bereits abgelehnt. Im März ärgerte sich Nagl noch über diesen "populistischen Wettbewerb, wer es bei den Tarifen billiger gibt". Jetzt gibt er es selbst am billigsten, überdies soll es ein "Nullsummenspiel" sein, man rechnet mit mehr Fahrgästen und neuen Hauptwohnsitzen. Aber warum hat man das dann nicht längst gemacht?

Die Taktik bei den Überlegungen zum Ausbau des Schienennetzes scheint hingegen zu lauten: bloß den Autos nicht zu viel Platz wegnehmen. Egal, die Finanzierung der Südwest-Linie oder der Linie 3 nach Reininghaus ist ohnehin ungeklärt. Für den Ausbau des Netzes wird es auch Mittel vom Land brauchen, etwa durch neue Abgaben. Bei einer Pressekonferenz forderte die Stadt zwar Geld von Bund und Land. Doch es ist höchste Eisenbahn, sich mehr ins Zeug zu legen. Schon jetzt wird es in Bussen und Bims zuweilen eng. Die Kapazitäten müssen ausgeweitet, das Angebot attraktiver werden, fordern auch Fahrgastinitiativen. Denn keiner quetscht sich gern in eine volle Straßenbahn, die vielleicht auch noch im Stau steht - nicht einmal zum halben Preis.


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