Der ganz normale Wahnsinn

Bis in die 1980er-Jahre wurden in Wien behinderte Kinder gequält. Der Zeitzeuge und Psychiater Ernst Berger sucht nach Erklärungen

Politik | GESPRÄCH: RUTH EISENREICH | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Behinderte Kinder wurden geschlagen, in Zwangsjacken gesteckt, mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt, im eigenen Kot liegengelassen: Im Pavillon 15 am Steinhof, dem heutigen Otto-Wagner-Spital, war das bis in die 1980er-Jahre hinein Alltag. Nachdem die Krankenschwester Elisabeth Pohl im Falter von diesen Zuständen erzählt hatte, untersuchte eine Arbeitsgruppe der Stadt Wien die Vorwürfe. Doch ihr Untersuchungsbericht bleibt geheim. Der Kinderpsychiater Ernst Berger erklärt, wie es zu Situationen wie der im Pavillon 15 kommen konnte.

Falter: Herr Berger, im Bericht der Arbeitsgruppe steht, im Pavillon 15 hätten die damals "üblichen Betreuungsund Behandlungsmethoden" geherrscht. Sie haben in den 1970er-Jahren in der Kinderpsychiatrie des AKH gearbeitet. Wie sah es dort aus?

Ernst Berger: Universitätskliniken unterscheiden sich von der städtischen Standardversorgung immer durch eine höhere Personaldichte und ein höheres Reflexionsniveau, das ist auch heute noch so. Wir sind 1974 ins


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