Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Zehn Gebote

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 39/14 vom 24.09.2014

Es war Wahlkampf, im Falter fanden sich seitenweise Inserate der wahlwerbenden Parteien, Kanzler Vranitzky warb ganzseitig! Das war noch Politik, oder? Werner Vogt war gar nicht dieser Ansicht und schalt alle, die gerade wahlkampfbedingt den Sozialstaat entdeckten.

"Das ist späte Liebe im Herbst. Der Kanzler verspricht Kindergartenplätze, kann sich sogar Familienzusammenführung vorstellen. Und Peter Pilz entdeckt seine nicht enden wollende Zuneigung zum Proletariat im Sozialstaat. Wenn es um Stimmen geht, werden selbst politische Dickhäuter sentimental. Kind ist gut. Armes Kind, krankes Kind ist besser. Nach dem Wahlsieg gehört die Kindebetreuung wieder Frau Dohnal. Seien wir froh! Sie repräsentiert glaubwürdig Zuständigkeit."

Bei Vogt kriegte wirklich jeder sein Fett ab: "Auch vom Quereinsteiger, dem seit Monaten im Abseits lauernden Alexander Van der Bellen, ist wenig Sozialstaatsinteresse zu erwarten. Bei seiner ersten Pressekonferenz war er zwar ganz stummer Gast, Peter Pilz aber übersetzte das Schweigen und gab zu verstehen, dass sich der neugrüne Professor Sorgen um die Staatsverschuldung macht, einfach unvorstellbar große Sorgen."

Die große Titelgeschichte fasste Jörg Haiders schönste Lügen zusammen, es waren 15, von Ausländersprüchen bis zum Bibelmissbrauch. Weiters stellte die Politredaktion des Autors "Zehn Gebote für Haider" zur Debatte. Gemeint waren zehn Gebote für den richtigen Umgang mit Haider; es antworteten Hans Rauscher, Kurier, der zustimmte, Hubertus Czernin, Profil, der Haider für nicht resozialisierbar hielt, und Anneliese Rohrer, Presse, die zu mehr Gelassenheit riet.

Die ausführlichste Stellungnahme stammte von Klaus Nüchtern, Falter, der so ziemlich alles ablehnte. Die beste von Standard-Herausgeber Oscar Bronner, der trocken bemerkte: "Ich bin gegen eine Diskussion über eine Sonderbehandlung des Abgeordneten Dr. Haider. Unter anderem, weil ich -im Gegensatz zu Armin Thurnher -dessen zehn Gebote nicht verletzen will."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige