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Pressekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Ein reißerischer Artikel aus Österreich mit dem Titel "Sex-Attacke auf Kärntnerin" wird von Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite verbreitet. Eine Frau soll von sieben Asylwerbern Anfang September beim Zigarettenholen in einem Mittelkärntner Ort "brutal vergewaltigt" worden sein. Die Postings dazu kann sich jeder vorstellen, ich erspare mir die Zitate.

Was nicht im Österreich-Artikel, dafür in einem viel besser recherchierten und ausgewogen geschriebenen Artikel der Kleinen Zeitung steht: Die Frau zeigte den Vorfall erst drei Tage später an. Es gibt keine Sachbeweise. Sie konnte bei einer Gegenüberstellung ihre mutmaßlichen Peiniger nicht identifizieren. Die Männer schweigen. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt.

Der Fall ist kompliziert. Umso mehr müssen Journalisten auf ihre Wortwahl achten und voreilige Schlussfolgerungen vermeiden. Außer sie wollen Strache Munition liefern, wie Österreich.


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